Versteigerung geplant

Kleine Kirche soll große Hilfe werden

Zwei Meter hoch, 500 Kilo schwer – die Marktkirche in Einbeck gibt es auch als Modell. Jetzt soll es versteigert werden und damit der Mutterkirche helfen.

Das Modell der Einbecker Marktkirche soll versteigert werden

von Ingrid Hilgers

Einbeck. Ulrich Hoppe ist seit mehr als 40 Jahren Mitglied im Einbecker Kirchenvorstand und engagiert sich im Bauausschuss. Derzeit kümmert er sich mit um die Sanierung der Marktkirche St. Jacobi. Sie steht auf einem sumpfigen Untergrund, das Gemäuer hat überall Risse, der Putz blättert ab, die Empore ist voller Schwamm und muss abgerissen und saniert werden. Gebraucht werden neue Bänke, Stühle, eine neue Beleuchtung und neue Toiletten.

Die Sanierung des Außenbereichs wie Dach, Gemäuer und Sandsteinarbeiten finanziert die Landeskirche. Geschätzte Kosten: rund drei Millionen Euro. „Für die Instandsetzung des Innenbereichs muss die Gemeinde aufkommen“, sagt Hoppe. Das seien rund 300.000 Euro. Dieses Geld müsse über Spenden aufgebracht werden. Die in der Altstadt gelegene Marktkirche St. Jacobi gilt als eines der Wahrzeichen Einbecks. Das gotische Gebäude steht seit 1988 unter Denkmalschutz.

Fasziniert vom Modell

Alexander Kloss ist Mitglied im Rat der Stadt Einbeck. Er ist in Einbeck aufgewachsen und erinnert sich noch gut an einen Karl Rose, der in den 1960er-Jahren auf seinem Grundstück Ausstellungen organisierte. Es war sein großes Hobby, Modelle von Häusern und Kirchen originalgetreu nachzubauen. „Als kleiner Junge stand ich fasziniert vor den zwei Meter großen Modellen“, erinnert sich Kloss. Ein solches Modell gibt es auch von der St.-Jacobi-Marktkirche, das zunächst neben einer Altenwohnanlage stand und dort teils zerfiel.

Die St.-Jacobi-Kirche muss dringend renoviert werden Foto: Ulrich Hoppe

Als vor Kurzem die Altenwohnanlage umgewidmet wurde, entstand die Frage, was mit dem Modell der Marktkirche geschehen solle. „Es gab viele Bürger, die mich angerufen haben und darum baten, das Modell zu retten“, sagt Kloss. So entstand die Idee, die Miniaturkirche zu versteigern. Das Modell solle saniert werden und an einem schönen Platz ­stehen.

Ein Stück Kultur

„Wir wollen mit der Versteigerungsaktion Aufmerksamkeit für die sanierungsbedürftige Marktkirche erreichen, Geld für die Renovierung erwirtschaften und ein Stück Kultur erhalten“, erläutert Kloss die Idee. Die Bieter sollen Informationen liefern, was sie mit dem Modell vorhaben. Am liebsten wäre es den Einbeckern, wenn die kleine Marktkirche irgendwann wieder öffentlich zugänglich aufbewahrt würde.

Auch anderen sei das Modell – zwei Meter hoch, 500 Kilo schwer – noch aus Kindheitstagen bekannt. Derzeit steht das Marktkirchenmodell in Einbeck auf dem Gelände einer kleinen Künstlercommunity.

Bernd Rose, Enkel des Erbauers Karl Rose, erinnert sich noch daran, wie die Familie seinerzeit in den Solling fuhr, um Sandsteine für den Bau zu beschaffen. Es existieren noch einige wenige Fotos von Karl Rose mit seinem ­Enkel vor dem Kirchenmodell. Zur Fertigstellung gab es sogar einen Fernsehbericht von Aktion Sorgenkind (heute: Aktion Mensch), für die Karl Rose damals Spendengelder mit seinen selbst gebauten Modellen sammelte.

Angebote via Facebook

Karl Rose und seine Frau starben tragisch beim Brand ihres Hauses. Zeitzeugen berichten, dass die Feuerwehr nicht in der Lage war, die beiden zu retten. Mit den Eheleuten verbrannten auch andere Miniaturmodelle.

Auf der von Alexander Kloss eingerichteten Facebook-Seite „David.Hilft.Goliath“ können vom 7. bis zum 20. Juli Angebote für die Miniaturkirche abgegeben werden. Mehr als hundert Aufrufe gibt es auf Facebook, in denen Bürger dafür plädieren, das Modell zu erhalten. Wer keinen Facebook-Zugang besitzt, kann auch eine E-Mail mit seinem Gebot und den künftigen Plänen für das Modell an info@alexanderkloss.de schicken.

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