Thriller „Erlösung“

Kleine Kirche im großen Kino

Das Gotteshaus in Garding bei St. Peter Ording hatte es dem Produzenten angetan. Und so wird die St.-Christian-Kirche für einige Minuten in einem Kino-Film zu sehen sein: im dänischen Thriller „Erlösung“.

Scheinwerfer und Lichtfilter sorgen für perfektes Licht in der Kirche

von Florian Stahl

Garding. Am 9. Juni startet „Erlösung“ in den Kinos, der dritte Film nach einem Roman von Jussi Adler-Olsen. Der Thriller spielt in der Nähe Kopenhagens, doch die Produzenten befanden, dass dort keine Kirche so schön ist wie die eine in Garding: die St.-Christian-Kirche. Dort hatten im Mai vergangenen Jahres die Dreharbeiten zu den Kirchen- und Friedhofsszenen stattgefunden.
Die St.-Christian-Kirche ist als eine der beiden zweischiffigen gotischen Kirchen eine Besonderheit in Schleswig-Holstein. Doch die Szenen aus Garding – insgesamt ein kopfsteingepflastertes Juwel mit altem Hafen – werden im Kinofilm in der Nähe des dänischen Viborg liegen. Die dazugehörige Geschichte beginnt mit einer Flaschenpost. Man ahnt etwas von religiösem Fanatismus, und dann prallen auch schon die großen Philosophien aufeinander: Wer hat Recht – der, der die Hoffnung trägt, oder jener, der nur das Dunkel dieser Welt erwartet?

Zwölf Stunden Dreh für wenige Minuten

Die Kirche selbst wird nur wenige Minuten im Film zu sehen sein, dennoch war der Aufwand enorm. Der gesamte Drehtag dauerte zwölf Stunden, und neben der Kirche stand ein kleiner Siedlertreck aus mehreren Kleinlastern. Technik, Kostüme, Maske, Produktion, Regie, Schauspieler, Verpflegung: Alles brauchte Platz. Und Engagement. Alleine um die Beleuchtung kümmerten sich sechs Techniker. Mehr als zwei Stunden brauchten sie, um riesige Scheinwerfer und Lichtfilter draußen vor den Kirchenfenstern aufzustellen und zu justieren. Auf der anderen Seite der Fenster hatte man dafür die Illusion von perfektem Sonnenschein. Insgesamt waren 30 bis 40 Menschen an dem Dreh beteiligt.
Die Orgelmusik, die im Film zu hören ist, hat Elisabeth Weisenberger gespielt, die Organistin der Gemeinde. Während der Dreharbeiten hatte sie sich mit Film-Pastor Peter Nejsum aus Kopenhagen über die Liedfolge unterhalten. Er schlug ihr Lieder vor und sang sie auf Dänisch. Elisabeth Weisenberger übersetzte das Gehörte in Orgelnoten. Peter Nejsum war übrigens deshalb so textsicher, weil er auch im echten Leben eine Gemeinde betreut.
Die gesamte Filmproduktion war eine deutsch-dänische Zusammenarbeit, das Genre Krimi wird mittlerweile hochklassig produziert. Außerdem sicherte der Drehort die Möglichkeit, Mittel der Filmförderung Schleswig-Holstein zu erhalten.

Nebelmaschine? Da legte der Pastor Veto ein!

Auch Pastor Ralf-Thomas Knippenberg war erstaunt über den Aufwand. Natürlich hatte er sich gefreut, dass seine Kirche ins Kino kommt, aber alles wollte der Seelsorger der Filmcrew auch nicht durchgehen lassen. So untersagte er den Einsatz einer Nebelmaschine in der Kirche. Die Wände waren frisch gekalkt, auch das ein Pluspunkt für den Drehort, doch künstlicher Nebel hinterlässt dünne Schmierfilme an den Wänden.
Während des Aufbaus und des Drehs sah er interessiert zu, beantwortete Fragen, hängte Liednummern in der Kirche auf. Mal hielt er einen Klönschnack mit dem Spargel schälenden Koch, mal fachsimpelte er mit dem Kollegen Peter Nejsum, dann musste er wieder die Produzentin beraten. Pastor Knippenberg brachte sich ein, wo er konnte, schließlich kommt eine nordfriesische Kirche nicht alle Tage in die Kinos.

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