Rückblick

Kleine Genealogie der Bischöfe

Seit 1985 kennt Armin Wenzel, heute Leitender Militärdekan in Kiel, die Militärseelsorge – und all ihre Bischöfe. Hier stellt er sie kurz vor.

Militärbischof Bernhard Felmberg

von Armin Wenzel

Kiel. Seit 1. Oktober leitet ein neuer Militärbischof die evangelische Militärseelsorge: Bernhard Felmberg, der vorher Abteilungsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung war und davor 2013 als Prälat Bevollmächtigter der EKD am Sitz der Bundesregierung.

Als Leitender Militärdekan überblicke ich die Geschichte der evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr seit 1985, als ich als junger Pastor zur Hilfeleistung in die Militärkirchengemeinde in Munster geschickt wurde. Dadurch hatte ich das Glück, den ersten Militärbischof in der Bundeswehr, Hermann Kunst, auf einer Gesamtkonferenz der Militärgeistlichen 1986 persönlich kennen zu lernen. Hochbetagt, aber geistig erfrischend präsent, traf ich ihn bei einer weiteren Tagung und war tief beeindruckt von seiner Biografie.

Kirchliche Unabhängigkeit in der Seelsorge

Seit 1949 gestaltete er als erster Bevollmächtigter das Verhältnis der jungen Bundesrepublik zur EKD. Er war mitverantwortlich für die Ausgestaltung der Militärseelsorge in der neu entstehenden Bundeswehr, einer Seelsorge, die sich bewusst abhob von der Wehrmachtsseelsorge in der Diktatur des Dritten Reiches. Vorrang hatte die kirchliche Unabhängigkeit in der Seelsorge; dieses wurde im sogenannten Militärseelsorgevertrag im Jahr 1957 festgeschrieben.

Auf Hermann Kunst folgte im Amt des Militärbischofs Sigo Lehming, Propst in Pinneberg, der das Amt von 1972 bis 1985 ausübte. In Personalunion des Bevollmächtigten, des Verbindungsmannes zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der EKD und dem Amt des Militärbischofs übernahmen darauf zunächst Heinz-Georg Binder bis 1994 und im Anschluss Hartmut Löwe bis 2003 diese Ämter. Hartmut Löwe gestaltete das Verhältnis der evangelischen Kirchen in der DDR zu einer Seelsorge in der Bundeswehr mit großem Geschick, hatte es doch eine geordnete Militärseelsorge in den bewaffneten Organen der DDR nicht gegeben.

Seit 2014 hauptamtlich

Anfang 2004 trat nach einer Übergangsregelung der Militärseelsorgevertrag auch in den neuen Bundesländern in Kraft. 2003 übernahm erstmals ein Landes­bischof, Peter Krug in Oldenburg, das Amt des damals noch nebenamtlichen Militärbischofs.

So übte auch sein Nachfolger ab 2008 dieses Amt aus, Martin Dutzmann als Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche. Am Ende seiner Dienstzeit 2013 forderte Dutzmann, dass die Funktion des Bischofs für die Seelsorge in der Bundeswehr hauptamtlich werden müsse, da die Aufgaben durch die zunehmenden Auslandseinsätze der Bundeswehr und die darin zu begleitenden Militärgeistlichen nicht mehr nebenamtlich zu schultern wären. Erster hauptamtlicher Militärbischof wurde, durch den Rat der EKD beauftragt, Sigurd Rink zwischen 2014 und 2020.

Seit 1985 überblicke ich den Dienst der evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr und schätze es sehr, dass ich sämtliche Militärbischöfe kennenlernen durfte. Da ich noch drei weitere Jahre als Leitender Militärdekan im Norden tätig sein darf, bin ich gespannt auf die Erfahrungen mit dem neuen Bischof Bernhard Felmberg und freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm.

Unser Autor
Armin Wenzel ist der Leitende Militärdekan des Evangelischen Militärdekanats Kiel.

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