Auf der Hallig Hooge

Kleine Gemeinde will groß rauskommen

Seit 2015 ist die Pfarrstelle der Kirchengemeinde Hooge vakant. Jetzt kommt wieder ein Halligprediger auf Zeit. Doch die Chancen für einen festen Pastor steigen.

Das Pastorat ist größer als die St.-Johannis-Kirche von Hallig Hooge. Beide schützt die Kirchenwarft vor den Naturgewalten

von Catharina Volkert

Hooge/Güstrow. Niemand lebt momentan auf der Kirchwarft der Hallig Hooge – dort, wo das reetgedeckte Dach des Pastorats die anliegende St.-Johannis-Kirche deutlich überragt. „Ich glaube, das ist einzigartig. Hier auf Hooge ist das Pastorat größer als die Kirche“, sagt Karen Tiemann, Vorsitzende des Kirchengemeinderats, stolz.
Auf Hooge ist einiges einzig­artig. Annegret Wegner-Braun, Pröpstin des Kirchenkreises, war schon mehrmals dort. „Es ist ein sehr spezieller Ort. Weit draußen im Meer, eine Art Vorhut der Nordkirche“, sagt sie. Aber ein Sorgenkind, das sei die Halliggemeinde nicht – obwohl die Pfarrstelle bereits seit 2015 vakant ist. Im Gegenteil. Die Kirchen­gemeinde der 5,75 Quadratkilometer großen Hallig ist aktiv – und hat noch viel vor.

Denn das einzigartige Pfarrhaus ist eine Baustelle, für 600 000 Euro wird es momentan saniert – was nicht leicht ist auf einer Hallig, auf die jeder Zementsack mit der Fähre transportiert werden muss. „Es soll eine Dienstwohnung entstehen und drei große Tagungsräume“, erzählt Tiemann. Wenn alles gut geht, sind die Bauarbeiten im Mai abgeschlossen.

Auf fremde Pastoren angewiesen

Matthias Ortmann muss deshalb in einer Ferienwohnung leben. Ortmann (66) aus Güstrow, Mecklenburg, ist nun für sechs Monate auf Hallig Hooge. Bis Pfingsten 2020 will der Pastor im Ruhestand dort Gottesdienste halten. Seine Frau kommt mit und spielt die Orgel. „Wir freuen uns darauf, den Winter auf einer Hallig zu erleben“, sagt Ortmann. Er unterstützt die Prädikantin Gertrude von Holdt-Schermuly, die seit vier Jahren nahezu allein auf Hooge predigt.

Pastoren wie Ortmann braucht die Kirchengemeinde Hooge. Im vergangenen Winter war etwa ein Pastorenpaar aus Berlin auf der Hallig, auch der ehemalige Propst Matthias Petersen aus Preetz habe schon einige Zeit auf der Hallig verbracht, erzählt Karen Tiemann. Aber niemand zog bisher für gleich sechs Monate ins Wattenmeer. „Es ist schön, dass es nun ein halbes Jahr eine Vertretung gibt“, sagt Tiemann. „Es ist erstaunlich, wie offen und freundlich auf Hooge alle sind, wie leicht man in Kontakt kommen kann“, meint Annegret Wegner-Braun. Karen Tiemann erklärt diese Offenheit mit den Vorfahren. Viele Halligbewohner stammen aus Seefahrerfamilien. Die Hooger kennen die Welt.

Aber das Kommen und Gehen der Pastoren sei auch schwierig, meint Karen Tiemann. Zum Beispiel bei der Verwaltung. Denn das, was auf dem Schreibtisch im Gemeindebüro landet, landet in den Privathäusern des Kirchen­gemeinderats – und auch die Küsterstelle wurde „runtergeschraubt“, sodass das Laien­gremium seine Aufgaben im Gottesdienst übernimmt.

Stelle wird aufgestockt

Immer wieder ist die freie Pfarrstelle von Hallig Hooge Thema der bundesweiten Medien. Vergeblich – denn ausgeschrieben ist eine halbe Stelle. „Von 50 Prozent kann man hier nicht leben“, sagt Karen Tiemann. „Und auch der Partner muss einen Beruf hier finden.“ Freiberuflich, dank Internet, das ginge. Doch aus den 50 Prozent werden nun 75 Prozent. Gerade hat Pröpstin Wegner-Braun die Zusage erhalten, dass der Kirchenkreis die Pfarrstelle aufstockt kann – dank Mitteln aus dem Fonds Kirche und Tourismus.

„Ich sage immer, es gibt drei Gemeinden“, sagt Karen Tiemann. „Die Inselgemeinde, die Tagestouristen und die Langzeittouristen.“ Etwa 80 000 Menschen besuchen jährlich die Hallig, auf der etwa 100 Menschen leben. Und da Touristen zunehmend den Urlaub nutzen, um Spiritualität zu leben, kommt das Pastorat ins Spiel, mit seinen drei Tagungsräumen.

Ein erstes Bündnis gibt es bereits: Örtliche Vereine und die Inselgemeinde, die Halligstiftung und der Nabu, die Kirchengemeinde und das Christian-Jensen-Kolleg planen eine Kooperation für die Kirchwarft von Hooge. „Es ist schön, wenn dann wieder Leben in die Warft kommt und da Licht brennt“, sagt Karen Tiemann. (mit epd)

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