Synode im Michel

Kirsten Fehrs als Bischöfin in Hamburg wiedergewählt

Es ist eine klare Sache gewesen: Mit 141 Stimmen ist Kirsten Fehrs als Bischöfin bestätigt worden. Was sich die 59-Jährige für ihre zweite Amtszeit vornimmt.

Blumen für die Bischöfin: Kirsten Fehrs ist wiedergewählt, im Hintergrund freuen sich die Bischofskollegen Gothart Magaard und Kristina Kühnbaum-Schmidt

von Timo Teggatz und Julia Reiß

Hamburg. Mit 141 Stimmen hat die Landessynode der Nordkirche Kirsten Fehrs zur Bischöfin für Hamburg und Lübeck wiedergewählt. An der Wahl nahmen 145 Synodale teil. Nach zehn Jahren im Amt stand turnusgemäß eine Wiederwahl durch die Synode der Nordkirche an, die im Hamburger Michel stattfand.

Die Synodalen wurden wegen der Pandemie digital zugeschaltet, das Präsidium saß im Michel. Mit Hilfe eines Wahltools gaben die Parlamentarier ihre Stimme von zuhause ab, manche hatten bei schönem Wetter ihr Notebook mit auf den Balkon genommen. Vor der Wahl fand im Michel ein Gottesdienst statt, die Predigt hielt Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt über die Geschichte von Jona und dem Wal. Gottesdienst und Wahl wurden live auf der Website der Nordkirche übertragen.

Im Zentrum ihrer zweiten Amtszeit stehe für sie die Frage, wie die evangelische Kirche eine hohe Präsenz halten könne, obwohl finanzielle und personelle Ressourcen immer knapper werden, sagte Fehrs der Evangelischen Zeitung. Momentan gehen die Einnahmen aus der Kirchensteuer wegen der Pandemie zurück, mittelfristig sinken sie laut Studien, weil immer weniger Menschen Kirchenmitglied sind. Wichtige Felder bleiben für die Theologin die diakonischen Einrichtungen, Jugendbildung, Kitas und soziale Arbeit.

Fusionen werden zum Thema

Angesichts sinkender Einnahmen der Kirchengemeinden im Norden rät Fehrs dazu, sich die Aufteilung der Aufgaben anzusehen. „Nicht jede Gemeinde muss alles machen“, sagte sie. Das betreffe etwa den Konfirmandenunterricht, Seniorenkreise oder Chöre. Auch Fusionen von Gemeinden werden laut Fehrs zu einem wichtigen Thema. Doch ein echtes Zusammenwachsen brauche Zeit. „Es ist auf jeden Fall mehr, als dass sich Kirchengemeinderäte regional kennenlernen und annähern. Vielmehr geht es um konkrete Kooperationen und regionales Teamwork.“

Als ein „Modell mit Zukunft“ bezeichnet Kirsten Fehrs Kirchengemeinden, die im Verbund einen Gemeindemanager beschäftigen. Sie sollen den Geistlichen Büroarbeit abnehmen. „Die Pastorinnen und Pastoren sind nicht zum Leiter von Bauprojekten gewählt worden“, sagte sie. Auch vor dem Hintergrund des Pastorenmangels könnten so Pastoren ihre eigentliche Arbeit besser erledigen. Zu klären sei aber immer die Frage, wer in der Gemeinde letztlich die Entscheidungen trifft.


Ein Porträt über Kirsten Fehrs lesen Sie hier


Als Folge der Pandemie wird die Kirche künftig viel digitaler werden, zeigt sich Fehrs überzeugt. In der Corona-Zeit hätten viele Gemeinden interaktive Formen des Gottesdienstes über das Internet entwickelt. Eine Gemeinde, die einfach nur ihren Pastor filmt, benötige man nach der Pandemie jedoch nicht mehr. „Dabei brauchen digitale Formate sicherlich eine andere Form und eine andere Sprache“, sagte sie.

Auch künftig kein @bischoefinfehrs

In den sozialen Medien wird die wiedergewählte Bischöfin auch künftig nicht aktiv werden – im Gegensatz etwa zu Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, die ein Twitter-Konto unterhält. „Da bin ich zurückhaltend“, gibt sie zu, auch wenn man über soziale Netzwerke viele junge Menschen erreichen könne. Doch für die sozialen Medien müsse man Zeit haben, sagt sie. Hohen Respekt habe sie zudem vor der Schnelligkeit und der Verkürzung.

Als weiteren Schwerpunkt ihrer künftigen Arbeit nennt Fehrs die Seelsorge als „Muttersprache der Kirche“. Momentan stehe die Frage im Raum, „wie wir nach der Pandemie die Krise verarbeiten und wieder lernen, unbeschwerter zu leben.“

Gehandelt für hohen EKD-Posten

Trotz einer 75-Stunden-Woche macht die 59-Jährige den Stress nicht an der Menge der Arbeit fest – sondern an der Art. Stressig sei es dann, wenn Probleme und Konflikte aufkämen.

Einen Teil ihrer Arbeitszeit möchte Fehrs auch künftig für den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) einsetzen. Sie kündigte an, bei der Wiederwahl des Gremiums im Herbst antreten zu wollen. Keine Angaben machte sie zu einer möglichen Kandidatur für den Ratsvorsitz. Neben der westfälischen Präses Annette Kurschus wird die Hamburgerin als mögliche Kandidatin gehandelt. Amtsinhaber Heinrich Bedford-Strohm tritt nicht wieder an.

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