Disziplinarverfahren gegen Bremer Pastor Olaf Latzel

Kirchenvorstand kritisiert Kirchenleitung

Die evangelikale Gemeinde stellt sich hinter ihren umstrittenen Pastor. Das Verfahren der Bemer Kirche sei nicht rechtmäßig. Mögliche Sanktionen wolle sie nicht akzeptieren.

Pastor Olaf Latzel in der Bremer Innenstadtkirche St. Martini (Archivbild)

Bremen. Der Kirchenvorstand der evangelisch-konservativen St.-Martini-Gemeinde in Bremen hat die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen ihren umstrittenen Pastor Olaf Latzel scharf kritisiert. Das Verfahren sei ein unverhohlener Angriff auf die unbeschränkte Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit, die den Gemeinden in der Verfassung der Bremischen Evangelischen Kirche garantiert sei, heißt es in einer Stellungnahme, die der Vorstand auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlichte. Die Kirchenleitung weist die Vorwürfe auf epd-Anfrage zurück.

Der leitende Kirchenausschuss hat in der vergangenen Woche das Verfahren gestartet, weil sich Latzel homosexuellen Menschen gegenüber beleidigend geäußert und sie als Verbrecher bezeichnet hatte. „Derartige Entgleisungen schaden dem Ansehen der ganzen Kirche erheblich“, begründete das Gremium seine Entscheidung.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Der Vorstand der St.-Martini-Kirchengemeinde bestreitet die Rechtmäßigkeit des Beschlusses des Kirchenausschusses. Sanktionen, die im Zuge des Verfahrens möglicherweise ausgesprochen würden, akzeptiere die Gemeinde nicht, kündigte Jürgen Fischer als leitender Repräsentant des Vorstandes an.

Unterdessen prüft die Bremer Staatsanwaltschaft, ob Latzels Äußerungen den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen. Die Kirchenleitung hatte das Disziplinarverfahren gleich nach seiner Einleitung ausgesetzt. Sie verwies darauf, dass es nur wieder aufgenommen wird, wenn die Staatsanwaltschaft die Äußerungen Latzels als Straftat einstuft. Unabhängig davon hat auch der Trägerverein des Christopher Street Day in Bremen Strafantrag gegen Latzel gestellt.

Die Bremer Martini-Kirche Foto: Dieter Sell / epd

In einer Reaktion der Kirchenleitung auf die Stellungnahme des Kirchenvorstandes hieß es, die Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit der St.-Martini-Gemeinde werde durch das Disziplinarverfahren nicht berührt. Der Kirchenausschuss sei Dienstherr des Pastors, das Disziplinarverfahren sei allein ein personalrechtlicher Akt infolge der strafrechtlichen Ermittlungen gegen Latzel: „Der Kirchenausschuss wartet jetzt das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ab.“

Welche Sanktionen möglich sind

In einem Disziplinarverfahren gibt es eine Reihe unterschiedlicher Sanktionen. „Das reicht von einem dienstlichen Verweis bis zur Entfernung aus dem Dienst, die sich auch auf das Ruhegehalt auswirken kann“, hieß es auf Nachfrage. Über ein Ergebnis des Verfahrens und mögliche Reaktionen der St.-Martini-Gemeinde zu spekulieren, „wäre verfrüht“.

Rückendeckung erfährt Pastor Latzel in einer Online-Petition, die mittlerweile von knapp 17.000 Unterstützern gezeichnet wurde. Die St.-Martini-Gemeinde ist eine von insgesamt 61 Gemeinden der Bremischen Evangelischen Kirche, zu der insgesamt gut 180.000 Mitglieder gehören. St. Martini zählt darunter mit knapp 1.200 Mitgliedern zu den kleineren Gemeinden. (epd)

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