Internationaler Tag der Pflege

Kein Herz für Pflege – Diakonie schlägt Alarm

Die Betreuung schwer kranker Menschen braucht mehr Zeit, als die Kassen vorsehen, kritisiert die Diakonie. Auch die demographische Entwicklung sei Grund zur Sorge.

Eine liebevolle Pflege ist wichtig für ältere Menschen

Berlin. Mit einem bundesweiten Aktionstag macht die Diakonie am Internationalen Tag der Pflege am morgigen Donnerstag, 12. Mai, auf Defizite in der Pflege aufmerksam. In den Heimen fehle es häufig am notwendigen Fachpersonal, beklagt Maria Loheide, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Diakonie. Außerdem benötige die Pflege schwer kranker sowie dementer Menschen mehr Zeit, als es die Vereinbarungen mit den Pflegekassen vorsehen.
Pflegedienste und Altenheime werden am Donnerstag bundesweit in Innenstädten über den Fachkräftemangel informieren, wie der evangelische Pflegefachverband DEVAP ankündigte. "Wir müssen klarstellen, dass eine gute Pflege mehr personelle und finanzielle Ressourcen erfordert", sagte der Vorsitzende des DEVAP, Bernhard Schneider.

Pläne der Regierung begrüßt

Die Pläne der Bundesregierung, die Pflegeausbildung zu vereinheitlichen, wird von den Verbänden begrüßt. Dies biete für die spätere Berufspraxis große Vorteile: "Das neue Pflegeberufsgesetz ist die Grundlage für eine moderne Pflegeausbildung. Die Schulgeldfreiheit, die Ausbildungsvergütung und das breite Praxisspektrum macht die Ausbildung attraktiv", sagte Loheide.
Der internationale Aktionstag "Tag der Pflege" ("International Nurses Day") am 12. Mai wird in Deutschland seit 1967 veranstaltet. Es ist der Geburtstag der Britin Florence Nightingale, der Begründerin der systematischen Krankenpflege. Ihr Verdienst ist es, nicht nur selbst aktiv gepflegt, sondern in mehreren europäischen Ländern die pflegerische Praxis beobachtet zu haben. Die Erkenntnisse daraus nutzte Nightingale, um die Ausbildung in England zu professionalisieren.
Florence Nightingale wurde am 12. Mai 1820 in Florenz geboren. Sie starb am 13. August 1910 in London. Die Tochter einer wohlhabenden britischen Familie erlangte große nationale Verehrung, als sie als Krankenschwester im Krimkrieg (1853-1856) tätig war. In die britische Folklore ging sie als "Lady with the Lamp" ("Dame mit der Lampe") ein, weil sie die Kranken im Lazarett mit einer Petroleumlampe in der Hand besuchte.

Deutschland wird immer älter

An Nightingales Geburtstag wird ihr zu Ehren der Internationale Tag der Pflege begangen. Auch in Deutschland machen am 12. Mai Pflegeorganisationen mit Infoständen, Demonstrationen und Kundgebungen auf die Nöte ihrer Branche aufmerksam. Das Motto des Aktionstages lautet in diesem Jahr "Wir für Sie".
Vor allem die Demografie macht den Experten Sorge: Deutschland wird immer älter. Während 2010 gut 4,2 Millionen Menschen 80 Jahre und älter waren, werden es 2050 laut Schätzungen über zehn Millionen sein. Mit dem Alter steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden: Zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr sind etwa 4,2 Prozent der Menschen pflegebedürftig, mit über 80 sind es schon 28,8 Prozent. Daraus folgt: Es wird deutlich mehr Fachpersonal als heute benötigt.
In der Pflege arbeiten derzeit in Deutschland fast eine Million Menschen. Bundesweit gibt es 12.300 ambulante Pflegedienste und etwa 12.400 Pflegeheime. (epd)

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