Im Buch eines Hamburger Pastor kommt ein ungewöhnlicher Besucher auf die Erde

Jesus trinkt Bier und hört Helene Fischer

Einen unterhaltsamen Roman hat der Gemeindepastor Jonas Goebel geschrieben. Er und seine Freundin haben in "Jesus, die Milch ist alle" einen besonderen Gast.

Pastor Jonas Goebel zeigt seinen ersten Roman

von Thomas Morell

Hamburg. Die evangelische Auferstehungskirche in Hamburg-Lohbrügge bekommt ungewöhnlichen Besuch: Auf einem alten Fahrrad ist Jesus vorgefahren und fordert von Gemeindepastor Jonas Goebel und seiner Freundin Trixi Einlass. Sein Kumpel Martin Luther komme auch gleich, erklärt er. Er müsse nur noch schnell zum Dönerimbiss.

„Jesus, die Milch ist alle“ ist ein lockerer Unterhaltungsroman darüber, wie Jesus sein könnte, falls er heute noch einmal auf die Erde zurückkommt – gemeinsam mit dem Reformator Martin Luther. Das 160-Seiten-Buch ist im Herder-Verlag erschienen. Sein Autor Jonas Goebel hat darin ausgemalt, welche Vorlieben Jesus heute hätte und wie er mit den Menschen sprechen würde. Sein Buch könne ein „lockerer, leichter Einstieg sein, über den christlichen Glauben neu nachzudenken“, sagte er dem epd. „Ganz niedrigschwellig, ganz einfach.“

Ein neues Evangelium

Jesus hat die Aufgabe von seinem Vater mitbekommen, auf der Erde ein neues Evangelium zu schreiben. Martin Luther arbeitet derweil an seinen 95 Thesen „wider die liberale Belanglosigkeit in der evangelischen Kirche“. Durch die sozialen Medien wünscht sich Jesus mehr Jünger als seinerzeit in Jerusalem, die aber heute „Follower“ heißen. Das gemeinsame Bibelstellenraten entlarvt, dass sein theologisches Wissen an dieser Stelle eher dürftig ist. Fußwaschungen lehnt er ab und verteilt stattdessen Gutscheine für die Pediküre.

Irdischer Jesus

Jesus kommt bei Pastor Goebel ganz irdisch rüber: Er hockt ständig vor dem Laptop, trinkt Bier und hört gern Helene Fischer. Er trägt Kapuzenpulli, Jogginghose und „Adiletten“, die trägt im Himmel jeder. „Kein schöner Mann, aber viele Lachfalten“, heißt es. Als Mann aus dem Nahen Osten hat er in Hamburg auch schon Rassismus erlebt. Er schaut Dating-Shows, möchte aber doch lieber allein leben.

Der Jesus von heute ist sehr kommunikativ und plaudert auch mit betrunkenen Jugendlichen über Gott und das Leben. Auch die Bibel zeige Jesus ja als einen Mann, der mit den Außenseitern gesprochen habe, so Pastor Goebel. Er spricht wie ein Kind mit Kindern, und selbst schwerhörige Senioren verstehen ihn gut. An Wunder erinnert nur, dass er Gedanken lesen und Wände durchschreiten kann.

Ungewöhnliche Wege

Sein Engagement gilt heute dem Klimaschutz. Durch den übermäßigen Konsum einiger weniger Menschen würden viele andere ihre Heimat verlieren, sagt er. „Klimaschutz ist gleich Nächstenliebe.“ Sehr konsequent ist er dabei allerdings nicht. Er fordert den Verzicht auf Konsum, kauft aber gern bei Amazon ein. Auch sein Appetit auf Fleisch ist recht ausgeprägt.

Der 31-jährige Gemeindepastor aus Lohbrügge geht gern ungewöhnliche Wege. Goebel postet in den sozialen Medien, etwa auf Twitter, versteigert seine Predigten auf Ebay und verbreitet sie als Podcast. Die Vorliebe seines Jesus für Craft-Beer ist für ihn ein schönes Bild für die Erneuerung der Kirche. Dank Craft-Beer sei die Bierkultur vielfältiger geworden und manches schmecke unerwartet neu. Viele liebten das traditionelle Pils, doch andere wollten es gern bunt gemixt. Auch die Gottesdienste könnten vielfältiger sein, so Goebel: andere Wochentage, aktuelle Musik und eine neue Art der Kommunikation.

Ob er selbst gern einmal Jesus treffen möchte? Das wäre sicherlich „großartig, bereichernd und schön“, sagt Goebel. „Da würde ich definitiv nicht Nein sagen.“ (epd)

Buch-Tipp
Jonas Goebel: „Jesus, die Milch ist alle – meine schräge WG und ich“
160 Seiten, 16 Euro, Herder Verlag.

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