Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Janosch und sein schräger Blick auf das Leben

Janosch ist 90 geworden. Das ist ein guter Grund, in Hamburg eine bunte Mitmach-Ausstellung über ihn zu zeigen. Hier kann man Sachen machen, die in keinem anderen Museum erlaubt sind.

Viele spielerische Elemente schmücken die Janosch-Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

von Thomas Morell

Hamburg. In der neuen Janosch-Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe dürfen große und kleine Besucher ungewöhnliche Dinge machen: Sie können sich auf einen Teppich legen und mit dem Fernglas ein Bild an der Decke betrachten. Sie dürfen Kopfstand machen oder von einer Leiter aus die Ausstellung betrachten. Oder sie legen sich in ein Etagenbett und lesen ein Janosch-Buch. So eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven, wie ja auch Janosch selbst in seinen Geschichten immer neue Sichtweisen auf das Leben bietet.

Die Ausstellung unter dem Titel „Lebenskunst“ ist bis zum 13. März 2022 zu sehen. Gezeigt werden rund 150 originale Zeichnungen, Grafiken und Texte von Janosch. Anlass ist sein 90. Geburtstag am 11. März 2021.

Bilder in Bodennähe

Wer die Ausstellung an einem sprechenden Suppentopf vorbei betritt, findet ein Panorama von originalen Grafiken vor. Das früheste Bild von 1946 zeigt das elterliche Haus in Bad Zwischenahn bei Oldenburg. Damals hieß Janosch noch Horst Eckert. Es ähnelt ein wenig dem Haus, in dem später der Bär und der Tiger wohnen. Große Besucher müssen sich schon hinknien, wenn sie die Bilder in Bodennähe richtig sehen wollen. Für kleine Menschen stehen überdimensionale Bänke und eine Leiter bereit.

Janosch im Februar 2021 in seinem Haus auf Teneriffa Foto: art28 / epd

Ein zweiter Raum wurde als gekacheltes Schwimmbecken gestaltet. Er widmet sich den ungewöhnlichen Wörtern, die Janosch erfunden hat. Hier können es sich die Besucher auf Liegestühlen bequem machen und per Kopfhörer Geschichten von Janosch hören. Es lesen unter anderem Moderatorin Bettina Tietjen, „Tatort“-Schauspielerin Anneke Kim Sarnau, TV-Journalist Reinhold Beckmann und Schauspieler Olli Dittrich.

Briefe und Postkarten spielen in Janoschs Geschichte eine große Rolle. Der „Hase mit den schnellen Schuhen“ ist als Briefträger ständig unterwegs. In dem Post-Zimmer der Ausstellung liegen zahlreiche Postkarten zum Thema „Lebenskunst“ bereit. Die Besucher dürfen sie an Freunde und Bekannte schreiben. Das Museum verschickt sie dann.

Kopfstand für neuen Blick aufs Leben

Janosch zählt zu den prägendsten deutschen Kinderbuchautoren mit Millionen-Auflage, dessen Werke auch von Erwachsenen gern gelesen werden. Wie seine Figuren ist auch er ein wenig schrullig. Zurückgezogen lebt er mit seiner Frau auf Teneriffa. Einen „menschenscheuen Menschenfreund“ nennt ihn Kuratorin Caroline Schröder. Er zeige keine heile Welt. Schönheit, Freundschaft und Träume gehörten ebenso dazu wie Lügen, Ungerechtigkeit und der Tod.

Als Zeichenfigur „Wondrak“ hat Janosch zwischen 2013 und 2019 im „Zeit-Magazin“ jede Woche Tipps zur Lebenskunst gegeben. Teil der Ausstellung ist „Wondraks Büro“. Zu Wondraks Antworten zu den großen Fragen der Lebenskunst können Besucher Zettel für gute Ideen ausfüllen, sich in verschiedenen Spiegeln betrachten oder Yoga-Kopfstand machen, um einen neuen Blick auf das Leben zu bekommen.

Gemütliches Ende

Am Ende wird es sehr gemütlich: In letzten Raum liegen zahlreiche Kissen bereit. Hier kann man sich in Ruhe Janosch-Filme wie „Das Wolkenzimmerhaus“ oder „Post für den Tiger“ ansehen. (epd)

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