Einsichten – die christliche Kolumne

Ja, ich will – trotzdem

Über eine Heirat während der Corona-Krise schreibt Franziska Albrecht. Sie ist Pastorin in der St.-Martini-Kirchengemeinde Elliehausen-Esebeck und der St.-Margarethen-Kirchengemeinde Holtensen (Niedersachsen).

Henning und Alina stehen vor dem Altar. Die Kirche ist fast leer. Vereinzelt sitzen ein paar Gäste in den Bänken. Vater und Mutter der beiden, Tante Hilda, Christoph, der Bruder der Braut, mit seiner Frau und den Kindern Pia und Lene, die Trauzeugen Achim und Maike. Viel Abstand, viel Luft, freie Räume. Ganz anders als gewohnt. Doch was ist schon normal in diesen Zeiten?

Normal ist, dass zwei sich lieben und Ja zueinander sagen. Normal ist, dass sie den Segen Gottes dafür erbitten. Normal ist, dass wir das miteinander feiern. Ein Bund fürs Leben soll es sein. Bis dass der Tod sie scheidet. Den Liebsten und auch Gott im Herzen und das Bekenntnis ihrer Liebe füreinander auf der Zunge. So stehen sie da und erwarten den Segen. Ihre Gesichter glänzen: vor Freude und Liebe. Sie sind neugierig, hoffnungsvoll, zuversichtlich.

Wir alle freuen uns mit ihnen. Vor der Kirche stehen viele mit viel Freiraum dazwischen. Fast die ganze Straße runter. So ist das in Corona-Zeiten. Diesmal bekommt der ganze Ort mit, dass zwei Ja zueinander sagen. Man sieht und hört es. Die Familie und Freunde sind gut sichtbar. Nicht versteckt in der Kirche, sondern draußen auf der Straße. Mit Lautsprechern wird alles aus der Kirche übertragen. So hören sie alle das Versprechen und den Segen, die Musik und die guten Wünsche, die Botschaft von der Liebe Gottes.

Einen Bund gehen Henning und Alina ein. Einen Bund fürs Leben miteinander und mit Gott. Denn der ist auch mit im Bunde. Schon seit langer Zeit. Seinen Bund hat Gott uns ins Herz und in den Sinn geschrieben. Er ist eine Verbindung eingegangen. In guten und in schweren Zeiten will Gott da sein.

Wenn es Streit gibt, dann folgt die Versöhnung. Durch alle Zweifel hindurch bleibt Gott beständig der Daseiende. Sein Bund ist ein Versprechen, das für alle Zeit gilt. „Sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“ Das Versprechen geht in beide Richtungen. Wir sagen Ja zu Gott, und Gott sagt Ja zu uns. Ein Bund geschlossen wie bei einer Hochzeit. Da liegt Segen drin.

Unsere Autorin
Franziska Albrecht ist Pastorin in der St.-Martini-Kirchengemeinde Elliehausen-Esebeck und der St.-Margarethen-Kirchengemeinde Holtensen (Niedersachsen).

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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