Isoliert, aber nicht allein

Die Militärseelsorge ist auch in der Quarantäne da – zum Beispiel vor einem Einsatz im Ausland. Ein Militärdekan berichtet.

Martin Jürgens

von Martin Jürgens

Die Pandemie bürdet den Menschen ganz verschiedene Lasten auf. Gleichzeitig muss das Leben weitergehen. Soldatinnen und Soldaten helfen in Gesundheitsämtern, Impfzentren und Pflegeheimen. Aber gleichzeitig laufen auch die Auslandseinsätze auf drei Kontinenten weiter. Die Soldatinnen und Soldaten fliegen ab Hannover und Köln dorthin. Eine echte Katastrophe wäre es, wenn das Corona­virus in ein anderes Land, in ein kleines Camp oder auf ein Schiff der Marine eingeschleppt würde.

Um das zu vermeiden, müssen alle vor ihre Abreise 14 Tage in Quarantäne, in die sogenannte „Isolierte Unterbringung“. Sie wohnen dabei in durchaus sehr komfortablen Flughafenhotels und werden sehr gut versorgt. Sie dürfen jedoch nur einmal täglich für eine sehr kurze Zeit ihr Zimmer für einen kleinen Rundgang oder eine Joggingrunde in einem klar definierten Bereich verlassen. Und so wird die Zeit trotz allem Komfort lang. Ein Hotelzimmer ist eben kein Zuhause und Quarantäne dort belastender als im eigenen Heim.

Gemeinschaft im Gottesdienst

Die Evangelische und Katholische Militärseelsorge in Hannover, Pastoralreferent Gregor Wessels und ich, haben die Betreuung dieser Soldatinnen und Soldaten übernommen. Neben dem Angebot für Seelsorgegespräche, gibt es von der Evangelischen Militärseelsorge im Norden eine Box, die zu ganz persönlichen Exerzitien rund um die „Perlen des Glaubens“ in der Isolierung einlädt.

Vor allem aber wird im großen Saal des Maritim-Hotels einmal in der Woche Gottesdienst gefeiert. Dort ist genügend Platz für Abstand, und der Konzertflügel erfreut besonders den Musiker Stabsfeldwebel Michael Tewes vom Heeresmusikkorps Hannover. Dieser Gottesdienst bietet den Soldatinnen und Soldaten eine weitere Möglichkeit dem Zimmer zu entfliehen und Gemeinschaft auf Distanz zu erleben. Auch deswegen vielleicht wird er so gern angenommen.

Auch für die Predigenden ist es eine ungewöhnliche Erfahrung, von der großen Bühne im Saal aus Gottesdienst zu feiern. Aber auch dort in dem Hotel gilt. „Gott zur Ehre und den Menschen zum Dienst.“ Vielleicht gelingt es uns ja, indem wir Gott loben, die Isolierung etwas erträglicher zu machen.

Unser Autor
Martin Jürgens ist Militärdekan in Hannover.

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