Digitaler Opferstock in Flensburg

In dieser Kirche wird ohne Bargeld gespendet

In der St.-Nikolai-Kirche wird jetzt kontaktlos gespendet, und zwar an einer digitalen Spendensäule. Das dürfte vor allem die skandinavischen Besucher freuen.

Janett Köcher, Direktorin der Vertriebsregion Nord bei der Evangelischen Bank, testet die bargeldlose Spende

Flensburg. Die St.-Nikolai-Kirche in Flensburg ist seit Kurzem um eine Attraktion reicher: Im Foyer des Gotteshauses befindet sich eine Spendensäule, in die statt Bargeld nur per Giro- oder Kreditkarte eingezahlt werden kann. Das funktioniert auch kontaktlos mit Handy oder Smartwatch. Der Förderverein der Kirche hatte sich zuvor an einer Ausschreibung der Evangelischen Bank beteiligt – und gewonnen: Nun hat die Bank die digitale Spendensäule im Wert von rund 7000 Euro im Rahmen des Wettbewerbs „DigiDonate“ gestiftet und an die Kirche übergeben.

Damit sei es möglich, bequem und kontaktlos zu spenden, hieß es bei der Einweihung. Die Spendensäule sei besonders für Orte mit Laufpublikum geeignet. Man könne selbst wählen, welchen Betrag man spenden will. Schließlich mache die Digitalisierung auch vor Kirchen nicht halt, betont Janett Köcher: „In unseren Beratungsgesprächen spüren wir, dass digitale Spendenlösungen gesucht und mit steigender Tendenz nachgefragt werden“, so die Direktorin der Vertriebsregion Nord bei der Evangelischen Bank. Es sei die landesweit erste digitale Spendensäule in einer evangelischen Kirche.

Passend zur Pandemie

„Kontaktlos spenden – wie sinnvoll unter den Bedingungen der Pandemie“, sagt auch Marcus Friedrich, Pastor an der rund 600 Jahre alten Kirche. Er ist stolz, dass die landesweit erste digitale Spendensäule nun in „seiner“ Kirche steht. „Das passt gut zu uns, unter anderem auch deshalb, weil wir viele Gäste aus Skandinavien haben – die sind teils gar nicht mehr gewohnt, Bargeld zu spenden“, sagt der Theologe. Bargeld sei meist das, was man gerade in der Tasche übrig habe – und gegebenenfalls der Kirche spende. Mit der neuen Spendensäule verändere sich etwas, so Friedrich: „Jetzt wird daraus ein aktiver Akt“, findet er. Bei vielen Kirchenbesuchern gebe es ein Bedürfnis, etwas zurückzugeben, insbesondere einer Citykirche wie St. Nikolai.

Am Eingang steht der digitale Opferstock Foto: Förde-Fotograf Fischer

Das Geld wird dringend benötigt, denn der Innenraum der Kirche muss wegen Schimmelbefall, bröckelndem Putz, blätternden Wandmalereien und anderen Problemen aufwendig saniert werden. Eigens dazu wurde der „Zwölf Säulen“-Kirchensanierungsverein gegründet.

In der Praxis funktioniert die Spendensäule so: Auf dem kleinen Touchscreen kann man per Drehung eines digitalen Rades die gewünschte Spendensumme einstellen und anschließend ganz einfach spenden.

Plakat zur Anleitung

Hat der Pastor die Spendensäule schon selbst ausprobiert? „Natürlich!“, sagt Friedrich und lacht. Er freut sich besonders darüber, dass man den Spendenzweck variabel einstellen kann. Denkbar sei zum Beispiel auch, die Spende am Ende eines Konzertes der Kirchenmusik zukommen zu lassen: Das lasse sich alles bequem per Computer voreinstellen. Zugleich gebe es auch ein gewisses „Entwicklungspotenzial nach oben“ bei der Handhabung des Automaten, urteilt der Theologe ganz ehrlich: Aus dem Grund wurde extra ein – analoges – Plakat an der Kirchenwand angebracht, das die Nutzer anleiten soll.

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