Einsichten – die christliche Kolumne

In deinem Licht

Über das Mitwirken am Reich Gottes schreibt Jan Jackisch. Er ist Pastor der Kirchengemeinde Büchen-Pötrau bei Hamburg.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ aus dem 1. Korintherbrief 3, 9-17

„Mein Leben war toll. Wirklich. Aber noch bin ich nicht fertig“, meint Lars. 16 Männer sitzen im Karwendel. Am Horizont die Gipfel, in der Ferne kreist ein Adler. Die Bibel ist aufgeschlagen: „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe“ (Psalm 90, 10f.).

Lars hatte gestern von seinem Krebs erzählt, mit seinen fast 80 Jahren. Einer zupft im Gras. Blicke schweifen in die Ferne. Manch Träne im Augenwinkel. „Was brauche ich, um das Gefühl zu haben: Das war gut. Ich kann jetzt gehen?“, fragt jemand. Er blickt Lars in die Augen. Zwischen beiden liegen 30 Jahre.

Alles vergeht. Das ist irgendwie klar. Aber in vielen steckt eine Sehnsucht, dass etwas bleibt. Für manche ist das ein Grund, am Reich Gottes mitzuwirken. Als Küster, Pastorin oder im Besuchskreis – etwas mit Sinn zu tun, überdauert vielleicht einen selbst. „Ihr seid Gottes Mitarbeitende“, schreibt Paulus im 1. Korintherbrief. Dann muss doch, was wir in unseren Gemeinden auf die Beine stellen, Bestand haben! „Ja, aber nicht, weil du eine Heldin bist!“, würde wohl der Mann sagen, der zumindest mit seiner zweiten Lebenshälfte Frieden hatte. Menschen hat er zum Glauben geführt, Gemeinden gegründet und Anfeindungen überstanden. Aber Paulus weist von sich weg: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1. Korinther 3, 11).

Was wir auch bauen in den Gemeinden, was wir auch anfangen mit unserem Leben: Bestand hat es nicht aus sich heraus. Worauf alles gründet, entscheidet. Hier liegt ein Schlüssel zum befreiten und beherzten Leben: Befreit, weil selbst bei einem Scheitern der Fall nicht tiefer geht als in Jesu Hand. Beherzt, weil Jesus uns die Verantwortung für unser Leben und Handeln übertragen hat.

„In deinem Licht sehen wir das Licht”, singen wir am Ende des Tages in der Abendsonne. Mit ihr senkt sich ein tiefer Friede auf uns, und wir gehen müde, erlöst und heiter in die Berghütte.

Unser Autor
Dr. Jan Jackisch ist Pastor der Kirchengemeinde Büchen-Pötrau bei Hamburg.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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