Kirchenpräsident Heimbucher geht in Ruhestand

Im Norden heimisch geworden

Aus dem Süden in den Norden: Der Evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher ist in Bayern geboren – und geht nun in Ostfriesland in Ruhestand. Von den Norddeutschen hat er ein wichtige Sache gelernt.

Im Norden fühlt sich Martin Heimbucher wohl

von Jörg Nielsen

Leer. Nein, Plattdeutsch kann der gebürtige Regensburger noch immer nicht sprechen. Auch nach acht Jahren als Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz im ostfriesischen Leer kommt Martin Heimbucher (65) mehr als ein „Moin!“ nicht auf Platt über die Lippen. „Ich werde mich hüten“, sagt er und lacht auf. Und doch haben er und seine Frau hier eine neue Heimat gefunden. Auch die Wohnung mit Blick auf das Wasser für den kommenden Ruhestand ist bereits vorhanden. An diesem Freitag wird Heimbucher vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, aus seinem Dienst verabschiedet.

Als er 2013 von der Synode in der Emder Johannes-a-Lasco-Bibliothek gleich im ersten Wahlgang mit 49 von 61 Stimmen gewählt wurde, „da war ich wie vom Donner gerührt“, erinnert sich Heimbucher. „So ein Rückenwind und das Gefühl: Die wollen mich, das war schon toll.“ Den Rückenwind spüre er noch heute. Dabei wollte er erst gar nicht. Ostfriesland war für ihn eine „terra inkognita, eine unbekannte Welt“ – vom Plattdeutschen ganz zu schweigen.

Die reformierte DNA

Doch Land, Leute und Mentalität sind ihm ans Herz gewachsen. Als Chef im Landeskirchenamt habe er von den Norddeutschen vor allem dies gelernt: „Es darf schnelle Entscheidungen geben, aber keine einsamen.“ Das sei schon etwas wie eine „reformierte DNA“. Gerade am Anfang habe er häufig gedacht: Müssen wir das denn nochmal diskutieren? „Das hat schon manchmal genervt“, räumt er mit einem Schmunzeln ein. „Doch die Erfahrung zeigt, es lohnt sich.“ Er habe gelernt, dass Geduld eine notwendige Tugend sei, die Beteiligung sichert. „Das ist ein Prinzip, das ich schätzen gelernt habe.“

Martin Heimbucher bei seinem Einführungsgottesdienst im November 2013 Foto: Bodo Wolters / epd

Dieser Blick prägt auch Heimbuchers Haltung zu notwendigen Veränderungen angesichts der zunehmenden Kirchenaustritte und der abnehmenden Finanzkraft. „Kirchenreform geht nicht von oben her. Sie gelingt nur, wenn sie mit denen gestaltet wird, die von den Veränderungen betroffen sind.“ Das sei eine Frage der Wertschätzung, betont der Theologe. „Der hohe Respekt vor den Gemeinden ist mir unglaublich wichtig, und den habe ich noch einmal neu gelernt.“

Prägend für Heimbuchers Amtszeit sind auch seine Statements zu aktuellen politischen Themen. Ob es um Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare, Afghanistan, Flüchtlinge, Sterbehilfe, Syrien oder das Klima geht – stets hat der Kirchenpräsident eine klare Haltung gezeigt. „Theologie und Politik – das gehört zusammen“, unterstreicht er. Das bedeute aber keinesfalls, dass sich die Kirche zu jedem „heißen Eisen“ zu Wort melden müsse. „Es geht immer um die Frage, ob in der Situation ein Anruf Gottes drin steckt.“ Alle Stellungnahmen seien im Dialog mit den biblischen Worten erarbeitet und errungen worden. So habe er seine Aufgabe als Kirchenpräsident verstanden: Wach zu sein für die gesellschaftliche Entwicklung, um Impulse geben und Flagge zeigen zu können.

Auf Youtube sehr aktiv

Impulse hat Heimbucher auch im digitalen Bereich gesetzt. Gerade Corona habe deutlich gezeigt, wie wichtig Kommunikation in der Kirche sei. „Wenn Kirche gehört und verstanden werden will, muss sie so kommunizieren, dass es bei den Zeitgenossen von heute mit deren Konsumverhalten ankommt.“ Der Kirchenpräsident hat es vorgemacht: Auf Youtube hat er zahlreiche Videos mit Statements, Gedanken und Andachten veröffentlicht.

Auf die Frage, ob denn mit seinem Rückzug ins private Leben etwas unerledigt zurückbleibt, lacht Heimbucher herzhaft auf: „Du liebe Zeit! Kirche ist immer ein unerledigtes Projekt.“ Die Fragen zur digitalen Publizistik in all ihren Facetten hätte er schon gerne weiter begleitet. Auch das Projekt, das ökumenische Tagungshaus Kloster Frenswegen in Nordhorn zukunftsfähig zu entwickeln, liege im sehr am Herzen. „Aber alles das übergebe ich fröhlich an meine Nachfolgerin Susanne bei der Wieden.“ Die erste reformierte Kirchenpräsidentin wird Anfang September in ihr Amt eingeführt.

Ruhige Zeiten

Für Heimbucher brechen jetzt ruhigere Zeiten an. Lesen und Rudern stehen dann auf dem Programm. Außerdem könne er sich neuerdings für das Kochen begeistern: „Im Zweifelsfall gerne italienisch.“ (epd)

Info
Martin Heimbucher wird mit einem Gottesdienst am Freitag, 16. Juli, um 14 Uhr in der Kirche in Leer in den Ruhestand verabschiedet. Aufgrund der Pandemie können nur geladene Gäste an der Feier teilnehmen.

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