Sparmaßnahmen bei der Oldenburger Kirche

Im Neuland

Magere Zeiten stehen der Kirche in Oldenburg bevor. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Pfarrstellen um ein Drittel reduziert werden. Was die Kirche unternimmt, damit die Verkündigung nicht leidet.

von Sven Kriszio

Oldenburg. „Wir wollen eine Kirche bleiben, die das Evangelium wirksam verkündet.“ So bringt Gudrun Mawick, Personalchefin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, auf den Punkt, was für Kirche eigentlich selbstverständlich ist. Doch angesichts sinkender Mitgliederzahlen und steigender Kosten hat sich die oldenburgische Kirche vor vier Jahren einige sehr drastische Maßnahmen verordnet, die dieses Ziel in ein besonderes Licht rücken. So macht der Rahmenpfarrstellenplan sehr konkrete Vorgaben: Bis zum Jahr 2030 will die oldenburgische Kirche nämlich mit rund 80 Pfarrerinnen und Pfarrern weniger auskommen. Das ist eine Kürzung um rund ein Drittel.

Mehr als zehn Jahre lang haben die Oldenburger verschiedene Ansätze diskutiert, wie sie sparen und die Arbeit doch erhalten können. Man einigte sich schließlich auf einen Sparplan mit 88 Maßnahmen und einem Volumen von 124 Millionen Euro, davon betrifft etwas mehr als die Hälfte die Pfarrstellen. Über deren Verteilung entscheiden die Kirchenkreise inzwischen selbst. Derzeit sei eine Pfarrstelle für etwa 2500 Gemeindemitglieder vorgesehen, so Mawick. Daneben sind unter anderem verbundene Pfarrämter über Kirchengemeindegrenzen hinaus möglich.

Positive Rückmeldungen

Allerdings trifft der Pfarrstellenplan die Gemeinden je nach Mitgliederentwicklung unterschiedlich hart. Bei der Verteilung wird daher auch die Gleichmäßigkeit in der Region berücksichtigt. Es sei gerungen worden, bilanziert Gudrun Mawick. Doch die Rückmeldungen seien positiv. „Die Gemeinden wollen Seite an Seite in die Zukunft gehen.“ Sie täten dies allerdings mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

Gestalten ihre Zusammenarbeit neu: Haupt- und Ehrenamtliche vom interprofessionellen Team in Delmenhorst-Stuhr Foto: Kirchenkreis Delmenhorst / Oldenburg Land

„Besonders gelungen finde ich, dass Gemeinden künftig in Entwicklungsräumen zusammenarbeiten“, so die Oberkirchenrätin weiter. Wann immer eine Pfarrstelle frei werde, komme nun auch die Schaffung einer verbundenen Pfarrstelle in Betracht. „Damit sind Pfarrerrinnen und Pfarrer nicht mehr nur für eine Stelle zuständig, sondern auch in Teilen für eine andere.“ Ein Beispiel sei die südoldenburgische Kirchengemeinde Essen, die sich mit der Gemeinde in Lastrup verbinden wolle. Es gebe darüber hinaus weitere Formen zusammenzuarbeiten. „Andere Gemeinden wollen fusionieren.“

Doch auch die oldenburgische Kirche ist mit Nachwuchs-Schwierigkeiten konfrontiert. „Wir werden von den eingeplanten 173 Pfarrerinnen und Pfarrern voraussichtlich nicht alle haben“, fürchtet Mawick. Neben der Erhöhung der Stellen-Attraktivität sollen daher interprofessionelle Teams entstehen. Das bedeutet, dass Menschen mit anderer Ausbildung Teile der Aufgaben des Pfarramts übernehmen. Dazu könnten sogar Mittel aus nicht besetzten Pfarrstellen verwendet werden, eine oldenburgische Besonderheit. Mittlerweile gebe es zwei solcher Erprobungsräume, zählt Mawick auf: den Verbund sämtlicher Delmenhorster Gemeinden, die zusammen einen Diakon eingestellt haben, und die Kirchengemeinde Friesoythe, die noch eine Religionspädagogin einstellen will. „Wir betreten Neuland, das wir noch weiter gestalten müssen.“

Was als Reichtum gilt

Wie Kirche ist, das werde sich vor Ort entscheiden. „Wir bieten den Gemeinden ein umfangreiches, flexibles Instrumentarium dazu“, sagt Mawick. Es sei die Chance der Kleinheit der oldenburgischen Kirche, hinzugucken und auszuprobieren. „Die Begabungen vor Ort werden die Gemeinde prägen. Das ist unser Reichtum.“

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