Hamburger Hauptkirche

Im Michel wird wieder Musik gemacht

Der neue Kantor Jörg Endebrock gibt endlich sein Einstandskonzert. Und auch der Chor probt wieder – mit gebührendem Abstand. 

Jörg Endebrock vor der Michel-Orgel

von Marieke Lohse

Hamburg. Ein Hoffungszeichen in Corona-Zeiten: Der Chor an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis probt wieder. In kleinen Gruppen mit zwei bis drei Meter Abstand untereinander hat Michel-Kantor Jörg Endebrock das Singen in der Kirche wieder aufgenommen. „Die Freude ist riesengroß“, sagt Endebrock. „Der Chor ist wie ausgehungert, endlich wieder singen zu dürfen.“ In diesen Zeiten, in denen es der Michel auch wirtschaftlich schwer hat, ist das ein tröstliches Signal. Angefangen wird jetzt mit Proben in Kleingruppen aus jeweils 15 Sängern der verschiedenen Stimmen.

Das ist auch für den neuen Michel-Kantor eine große Freude. Bei seinem offiziellen Einführungsgottesdienst Anfang Februar konnte er sich immerhin schon einmal der Gemeinde vorstellen. Doch dann kam Corona – und alle geplanten Proben wurden abgesagt. „Das war natürlich tragisch, weil ich noch kein einziges Chorkonzert machen durfte.“ Die geplanten Konzerte für Ostern und Pfingsten, alljährliche Groß-Events am Michel, fielen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie aus.

Neun Jahre in Freiburg

Am Mittwoch, 15. Juli, gibt Endebrock sein Einstandskonzert. „Die Corona-Pandemie hat auch meinen Spielplan durcheinandergewirbelt. Umso mehr freue ich mich, nun mit Stücken von Bach, Reincken und Vierne mein erstes Orgelkonzert am Michel im Rahmen des Hamburger Orgelsommers zu spielen“, sagt er.

Der geborene Osnabrücker studierte evangelische Kirchenmusik in Hamburg und Paris. Neun Jahre lang war er Kantor an der Christuskirche in Freiburg, 2008 ging er an die Lutherkirche in Wiesbaden. In Hamburg wurde er Nachfolger von Christoph Schoener, der nach fast 22 Michel-Jahren Silvester 2019 in den Ruhestand getreten war.

Keine Proben über Video

Corona-Proben mit Video-Technik hat Endebrock bewusst nicht angeboten: „Online-Proben halte ich eher für ineffizient“, sagt er. Zwar hätten sich viele Chormitglieder untereinander in Videokonferenzen getroffen, um den Kontakt zu halten. Doch Singen im Chor lebe vor allem von echter Gemeinschaft: „Diese Momente, wenn man das Gefühl hat, da sind 80 Menschen und alle wollen und fühlen das selbe und durch meine Impulse wird das erweckt und geht ins Publikum, das ist wirklich das höchste Glück.“

Jetzt startet Jörg Endebrock mit neuer Motivation in die zweite Jahreshälfte. Neben den Klassikern wie dem Brahms-Requiem oder der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach soll es von ihm künftig auch neue Klänge zu hören geben: Ein „Stabat Mater“ von Francis Poulenc oder auch ein Psalm der französischen Komponisten Lili Boulanger waren für Karfreitag geplant – beide sind noch nie im Michel erklungen. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt Endebrock. (epd)

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