Winternotprogramm der Diakonie gestartet

Hilfe für Obdachlose

Wenn die Temperaturen sinken, sind Obdachtlose besonderen Gefahren ausgesetzt. Die Diakonie hat jetzt ihr Winterprogramm gestartet, doch auch jeder Einzelne kann helfen.

Im Flensburger Tagestreff überreicht Mitarbeiterin Veronique Löwe Zelt und Schlafsack an Edvins Jasevics, der im Moment auf der Straße lebt.

Im Flensburger Tagestreff überreicht Mitarbeiterin Veronique Löwe Zelt und Schlafsack an Edvins Jasevics, der im Moment auf der Straße lebt.

von Olivia von Harlem

Flensburg. In diesen Tagen hat die Diakonie Schleswig-Holstein ihr Winternotprogramm für Wohnungslose gestartet. Landesweit soll dabei den Menschen, die auf der Straße leben, mit warmer Kleidung, Schlafsäcken und beheiz­baren Notunterkünften durch die kalte Jahreszeit geholfen werden. Das Land Schleswig-Holstein fördert die Angebote mit 20.000 Euro, zusätzliche 10.000 Euro steuert die Diakonie-Stiftung Schleswig-Holstein bei.

Die Unterstützung richtet sich an alle Menschen, die zwischen Nord- und Ostsee auf der Straße leben, so Diakonie-Sprecher Friedrich Keller. So nahmen im vergangenen Jahr 7.456 Menschen die Angebote der diakonischen Wohnungslosenhilfe in Anspruch, etwa 2.000 mehr als noch im Jahr 2014. Brennpunkte sind die kreisfreien Städte Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster. Aber auch im ländlichen Raum, zum Beispiel in Husum und Heide, steigt die Zahl der Betroffenen.

Großes ehrenamtliches Engagement

Um ihnen zu helfen, verteilen Tagestreffs, Beratungsstellen und Notunterkünfte Schlafsäcke, warme Kleidung, Socken und festes Schuhwerk. In Kiel stehen drei ­beheizbare Container bereit, die von der Diakonie betreut und ohne Anmeldung genutzt werden können. In Husum mietet die diakonische­ Wohnungslosenhilfe eine eingerichtete Wohnung an, in der mehrere Personen untergebracht werden können.

„Die Mitarbeiter in den diakonischen Tagestreffs und Notunterkünften sowie die vielen ehrenamtlichen Helfer unternehmen alles Menschenmögliche, damit die Betroffenen nicht ernsthaft erkranken oder Erfrierungen erleiden. Für dieses Engagement bin ich sehr dankbar“, betonte Landespastor und Diakonievorstand Heiko Naß bei einem Besuch im Tagestreff für wohnungslose Männer in Flensburg.

Den Tagen wieder eine Struktur geben

Wenn sich hier die Türen morgens um halb acht öffnen, suchen die Männer nach einer oft harten Nacht Wärme, Essen, Getränke und auch Gemeinschaft – alles das, was draußen auf der Straße fehlt. Auch am Wochenende ist an den Vormittagen stundenweise geöffnet.

Bei ihm sei im Leben einiges schief gelaufen, sagt Reinhard Retter (57): Seit drei Jahren hat der trockene Alkoholiker nach einer Räumungsklage wegen hoher Mietschulden keinen festen Wohnsitz mehr, übernachtet derzeit in einer verlassenen Gartenhütte. Morgens geht er gern in den Tagestreff. „Hier bekommen wir Kaffee und Kleidung, können Wäsche waschen. Und wir können einfach mal über unsere Sorgen reden“, sagt er. Es geht bei dem Angebot auch darum, den Tagen eine Struktur zu geben und nicht zu vereinsamen.

Mehr als eine Anlaufstelle im Winter

Die Mitarbeiter im Tagestreff unterstützen bei der Wohnungs- oder Arbeitssuche, beim Umgang mit Ämtern und Behörden oder der Überwindung persönlicher Probleme. Der Treff kann als Postadresse angegeben werden, es gibt eine medizinische Betreuung. „Mindestens 20 Männer kommen pro Tag zu uns“, sagt Mitarbeiterin Veronique Löwe. Da fällt es auf, wenn einer für längere Zeit nicht kommt – dann wird nachgefragt.

Seit mehreren Jahren steigt die Zahl der von Wohnungslosigkeit betroffenen oder bedrohten Schleswig-Holsteiner. Daher plädiert Landespastor Heiko Naß, besonders in der kalten Jahreszeit, wohnungslose Menschen im Blick zu behalten. Läge ein Obdachloser reglos auf dem Boden oder einer Bank und wäre nicht mehr ansprechbar, sollten die Polizei oder der Rettungswagen gerufen werden. „Wir sollten lieber einmal mehr Hilfe holen als einmal zu wenig“, betont Naß. Auch ein heißes Getränk oder eine Suppe könnten helfen und ein Zeichen von Zuwendung sein.

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