Lübecker Gemeinde St. Jakobi ist Vorreiter in der Nordkirche

Hier wird samstags Gottesdienst gefeiert

17 Uhr am Samstag – das ist seit ein paar Wochen der Termin für den Gottesdienst der Lübecker Gemeinde St. Jakobi. Schon jetzt ist die Reaktion eindeutig.

Hereinspaziert: Pastor Lutz Jedeck öffnet die Kirchentüren nun am Samstag für Gottesdienste

von Timo Teggatz

Lübeck. Früher hat er sich Zeit gelassen mit seiner Predigt. Am Samstag bummelte Lutz Jedeck, Pastor an der Lübecker Gemeinde St. Jakobi, erst einmal über den Wochenmarkt und machte sich dabei Gedanken, worüber er am kommenden Vormittag sprechen wollte. Das klappt seit ein paar Wochen nicht mehr, denn die Gemeinde aus der Lübecker Innenstadt hat einen großen Schritt gewagt: Ihr Gottesdienst findet nicht mehr sonntags um 10 Uhr statt, sondern samstags um 17 Uhr. Jede Woche, ohne Ausnahme. Und das heißt für den Gemeindepastor: Die Predigt muss deutlich früher stehen.

Am Samstag nach Ostern, zur Premiere von „Jakobi Punkt 5“, sprach Jedeck von der Kanzel passenderweise zum Thema „Aufbrüche“. 50 Besucher waren dabei, mehr sind wegen der Corona-Regeln momentan nicht erlaubt. Ob am neuen Tag mehr Menschen in die Kirche kommen, lässt sich deshalb erst sagen, wenn die Einschränkungen aufgehoben sind.

Neue Gesichter im Gottesdienst

Doch die Gemeinde zieht ein erstes positives Fazit: An allen Samstagen seien die Feiern bislang ausgebucht gewesen. „Die Kerngemeinde hat die Verlegung sofort und ohne Probleme mitgemacht“, berichtet Jedeck. Mehr noch: Etwa ein Viertel der Besucher seien Menschen, die aus dem Gemeindeleben bekannt seien – etwa von Konzerten oder Sommerfesten. Bislang seien sie aber nie am Sonntag im Gottesdienst gewesen.

Blick in die Lübecker St. Jakobi-Kirche Foto: Stephan Wallocha / epd

Ein Jahr lang hat der Kirchengemeinderat (KGR) diskutiert, ehe er entschied. Auch er sei anfangs skeptisch gewesen, gibt KGR-Mitglied Joachim Glowe zu. „Mit einer Tradition zu brechen, das ist keine einfache Entscheidung.“ Doch am Ende hätten die Vorteile überwogen, Gottesdienst könne man nicht nur am Sonntag feiern. Denn mit dem neuen Termin möchte St. Jakobi auch neue Besuchergruppen ansprechen, zum Beispiel Lübecker, die am Sonnabend nach einem Einkaufsbummel in der Innenstadt zum Gottesdienst kommen. Und auch solche Christen, die sich mit einem Gottesdienst am Sonntag nicht anfreunden konnten. „Der Lebensrhythmus vieler Menschen hat sich verändert“, sagt Pastor Jedeck. Bei vielen gehöre der Sonntag, oft mit einem ausgedehnten Brunch, nur der Familie.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam bereits vor zwei Jahren eine Studie der EKD über Gottesdienste. Für viele Menschen ist der Sonntagsgottesdienst der Untersuchung zufolge nicht mehr attraktiv und hat seine Rolle als „Mitte der Gemeinde“ verloren.

Pionier in der Nordkirche

Mit „Jakobi Punkt 5“ ist die Gemeinde Vorreiter in der Nordkirche. Denn einen so konsequenten Schritt, komplett auf Samstag zu wechseln, hat noch keine Kirchengemeinde gewagt, wie eine Sprecherin der Nordkirche bestätigt. Auf einen Gottesdienst am traditionellen Sonntag muss in der Lübecker Innenstadt dennoch niemand verzichten, denn die vier City-Kirchen liegen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt.

Auch der Pastorenmangel hat bei der Verlegung eine Rolle gespielt. Voraussichtlich ab 2028 müssen die Lübecker City-Kirche mit vier Pastoren auskommen – momentan sind es noch acht. In drei Jahren gehen Jedeck und seine Frau Kathrin, ebenfalls Pastorin in der Gemeinde, in den Ruhestand. Wenn dann Gottesdienste samstags und sonntags stattfinden, werde es für Pastoren einfacher, zwei Feiern an einem Wochenende zu leiten, so Jedeck.

Was Pastor Jedeck nun sonntags macht

Und was macht Pastor Jedeck jetzt am Sonntagmorgen? „Ich bin in die leere Kirche gegangen“, sagt der Theologe. Nostalgische Gründe hatte das allerdings nicht. Die Jedecks zeichnen regelmäßig eine Andacht auf, die Gemeindemitglieder per E-Mail als Audiodatei während der Pandemie bekommen.

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