Hamburger Konfirmanden gehen auf Tour

Hier pilgern Konfis Richtung Kloster

Wer sagt denn, dass Pilgern nur etwas für Erwachsene ist? Ein Hamburger Pastor ist mit einer Gruppe Konfirmanden losgezogen – 100 Kilometer von Ratzeburg bis zum Kloster Tempzin.

Manchmal taten die Füße weh – doch alle jungen und älteren Pilger schafften die rund 100 Kilometer lange Tour

von Kerstin Erz

Neukloster. Als die Gruppe an einen Fluss kommt, neben dem auf einer Wiese Schafe weiden, legt sie eine Rast ein. Denn Pastor Matthias Liberman­ möchte die Gelegenheit dieses lebendigen Bildes wahrnehmen und mit den pilgernden jungen Menschen über den Psalm 23 sprechen. Der 23. Psalm „Der Herr ist mein Hirte“ ist einer der bekanntesten und beliebtesten Texte der Bibel. Viele Konfirmanden lernen ihn auswendig. Der Psalm spricht von Gott, der sich wie ein Hirte um das Wohl seiner Schafe kümmert.

Auf der insgesamt etwa 100 Kilometer langen Pilgerstrecke von Ratzeburg zum Kloster Tempzin boten sich dem Pastor der Kirchengemeinde Winterhude-Uhlenhorst in Hamburg viele Gelegenheiten, mit den Konfirmanden über den tiefen Sinn der Bibel zu sprechen, deren Geschichten in die Praxis umzusetzen, schlichtweg die Bibel außerhalb eines Kirchengebäudes erlebbar zu machen. Das war auch einer der Gründe, warum Matthias Liberman seinen diesjährigen Konfirmandenunterricht nach Draußen verlegt hat. Elf Konfis, darunter drei Jungen, sowie eine 16-jährige Teamerin und drei erwachsene Helfer begleiteten ihn. „Der Anstoß für diese Idee war das Vorhaben eines Kollegen, der mit Paten und Täuflingen auf Pilgertour gehen wollte. Ein Patenpilgern also. Da dachte ich: ‚Warum nicht auch ein Konfi-Pilgern?‘“, so Pastor Liberman.

Bis zu 20 Kilometer pro Tag

Nach intensiver Vorbereitung startete dann die erste Pilgertour der Nordkirche für Konfirmanden von Ratzeburg zum Kloster Tempzin. Die Gruppe fuhr zunächst mit dem Zug von Hamburg über Büchen nach Ratzeburg. Hier marschierten die Teilnehmer los: Den Rucksack mit dem Nötigsten auf dem Rücken, die Koffer sowie alle Schlafutensilien wurden im Kleinbus transportiert. Zwischen 6 und 20 Kilometer schaffte die Gruppe pro Tag. „Unsere erste Station war Mustin zwischen Ratzeburg und Gadebusch. Die zweite dann Rehna. Das war mit 18 Kilometern auch die längste Strecke, die wir laufen mussten“, erzählte der 13-jährige Felix. „Zumal wir unfreiwillig einen Umweg von zwei Kilometern gemacht hatten, also insgesamt 20 Kilometer gelaufen waren. Da waren wir dann auch froh, endlich da zu sein.“

Auch Blasen an den Füßen haben die Gruppe nicht vom Kurs abgebracht Foto: Kerstin Erz

„Die 14, vielleicht 15 Kilometer weiter nach Grevesmühlen oder die kürzeste Strecke von Proseken nach Wismar haben wir dann locker geschafft, zumal wir uns inzwischen eingelaufen hatten“, ergänzte sein Freund Finn (ebenfalls 13). Auf die Frage nach Blasen an den Füßen lachten die Jungen. „Zu Anfang nicht“, meinte Felix, „aber inzwischen haben so einige von uns Blasen, ich nicht. Wir haben aber eine Ärztin dabei, die weiß, was zu tun ist, damit man gut weiterlaufen kann.“ Alle waren ausgerüstet mit einem Pilgerpass, den sie sich an jeder Kirchen-Station abstempeln ließen. Jeder trug auch eine Jakobsmuschel.

Auch für Milla, Nieke-Marie und Teamerin Julia war die Strecke teils anstrengend – doch die schöne Landschaft entschädigte sie für alles. „Außerdem haben wir inzwischen schon Übung“, so Milla. „Was mich motiviert, sind die vielen Erfahrungen, die ich unterwegs gemacht habe, vor allem über die Kirche. Am besten aber war die Gemeinschaft, wir haben uns alle näher kennengelernt. Ich finde, diese Pilgertour ist eine super Vorbereitung auf die Konfirmation.“ Als Beispiel nannte Felix das Abendmahl in der Rehnaer Kirche. „Die Atmosphäre, die Stimmung, die vielen Kerzen und du stehst da und fühlst dich plötzlich Gott ganz nahe“, beschreibt er. Nieke­-Marie begeisterte „das Miteinander, wie wir uns gegenseitig motivieren, weiterzulaufen, aber auch die schönen Erlebnisse unterwegs und die Abendandachten.“


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Die vorletzte Station in der Kirchengemeinde Neukloster erreichten die Pilger am Sonntag. Da bot es sich an, den Sonntagsgottesdienst mitzugestalten. Pastor Liberman zeigte sich begeistert: „Alle machten alles super mit. Keiner streikte. Auch mir taten manchmal die Füße weh, aber wir haben uns gegenseitig wieder hochgezogen“, sagte er. „Der Vorteil so einer Pilgertour von Kirche zu Kirche ist, dass der Kirchturm schon von weitem zu sehen ist. Auch wenn man dann noch eine Stunde laufen muss, motiviert es, das Ziel direkt vor Augen zu haben.“

Ab in den Badesee!

Kurz vor dem Kloster Tempzin lockte auch noch ein Badesee, in dem man sich bei tollem Badewetter nach Lust und Laune abkühlen konnte. Und die Aussicht auf einen gemeinsamen Ruhetag, einen „Sabbat“, bevor es per Zug auf die Heimreise nach Hamburg ging.

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