Trotz Corona unterwegs

Hier kommen die ökumenischen Sternsinger von Kiel

Auch wenn in diesem Jahr vieles anders ist: Im Norden sind wieder viele Sternsinger aktiv. Gesungen wird nicht, und für den Segen gibt's Aufkleber. In Kiel mischen auch evangelische Kinder mit.

Mit Maske gut geschützt: Vier Sternsinger nahmen an einem Gemeindegottesdienst teil

von Timo Teggatz

Kiel/Hamburg. Eine Absage ist nicht infrage gekommen. Dafür sei die Aktion viel zu wichtig, sagt Julia Hengst, die in der Kieler Pfarrei Franz von Assisi die Sternsinger-Aktion betreut. An der Förde sind die Kinder ab heute nicht nur katholisch, sondern sogar ökumenisch unterwegs. Die Pfarrei arbeitet mit der evangelischen Kirchengemeinde in Kronshagen, einem Kieler Vorort, zusammen.

Von den ökumenischen Sternsingern ist der Kronshagener Pastor Sascha Lohmann begeistert. Er habe schon immer ein wenig neidisch auf die katholischen Kollegen geblickt, gibt er mit einem Augenzwinkern zu. Hier könnten sich Kinder für eine gute Sache engagieren, Gemeinsinn entwickeln und Spaß haben. „Das ist gelebte Ökumene“, sagt der Theologe.

Nur ein kleiner Gottesdienst

In der Pandemie müssen sich aber auch die Sternsinger umstellen. Statt einer großen Aussendefeier mit allen kleinen Christen hat heute nur ein kleiner Gemeindegottesdienst zum 6. Januar stattgefunden. Symbolisch waren drei Sternsinger als Heilige Drei Könige dabei.

So sehen die Kieler Segenspakete aus. Foto: Ann-Kathrin Berndmeyer

Auch auf die Hausbesuche verzichten die ökumenischen Sternsinger von Kiel. Stattdessen haben sie in den vergangenen Tagen etwa 200 Segenspakete gepackt. In jedem steckt ein Bild, das ein Kind gemalt hat. Außerdem findet sich dort ein Anschreiben an die Besucher inklusive Aufruf zu einer Spende und der Segensaufkleber, der in diesem Jahr selbst an die Haustür geklebt werden muss.

Rund 160 Christen in Kiel und Kronshagen warten jetzt darauf, dass das Segenspaket in ihrem Briefkasten landet. Dafür gehen die Kinder in diesem Jahr einzeln auf Tour, begleitet von ihren Eltern. Auch verkleidet sind sie nicht. Leider seien es mit rund 20 Kindern deutlich weniger Sternsinger als sonst, sagt Julia Hengst. Aber Sicherheit gehe vor.

Empfänge erst einmal verschoben

Wegen der Pandemie habe kaum eine Gemeinde ihre Aktionen ausfallen lassen, informiert Marco Chwalek, Pressesprecher des katholischen Erzbistums. Viele würden – wie die Kieler – Segenspakete verteilen oder hätten sich andere Alternativen einfallen lassen. Die am 6. Januar geplanten Empfänge im Hamburger Rathaus und im Kieler Landeshaus seien erst einmal verschoben worden. Die Aktion ist verlängert worden bis zum 2. Februar. „Wir hoffen, dass die Situation dann besser ist, und die Empfänge vielleicht zum Ende der Sternsinger-Zeit doch noch in kleiner Form stattfinden können“, sagt Chwalek.

Auf Hausbesuche setzt dagegen die Pfarrei Stella Maris in Flensburg. „Wir haben ein gutes Hyngienekonzept“, sagt Jonas Borgwardt, der die Aktion betreut. Bei der Entscheidung habe außerdem eine Rolle gespielt, dass der Inzidenzwert in Flensburg bei etwa 50 liege und damit im bundesweiten Vergleich sehr niedrig sei.

Nur verpackte Süßwaren

Bunt gemischt werden die Flensburger Gruppen aber nicht. Die Kinder dürfen maximal aus zwei Haushalten kommen und müssen in der Schule die gleiche Gruppe besuchen. Bei ihren Besuchen bleiben die Kinder vor der Tür stehen und nehmen als kleine Geschenke nur verpackte Süßwaren. Auch gesungen wird nicht, damit keine Aerosole fliegen. Stattdessen wird ein Text aufgesagt. Etwa 50 Flensburger haben sich für einen Besuch angemeldet und damit etwas weniger als sonst, wie Borgwardt sagt.

An der Aktion nehmen jedes Jahr bundesweit rund 300.000 Kinder und Jugendliche teil. Sie gehen normalerweise rund um den Dreikönigstag am 6. Januar in den Gemeinden von Haus zu Haus, bringen den traditionellen Segenswunsch „C+M+B“ für „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus) und sammeln für notleidende Kinder in Entwicklungsländern. Es ist die weltweit größte Hilfsinitiative von Kindern für Kinder. Seit 1959 wurden rund 1,19 Milliarden Euro gesammelt für mehr als 75.600 Projekte etwa im Bildungs- und Gesundheitsbereich. Online kann man hier spenden. Motto in diesem Jahr ist „Heller denn je – die Welt braucht eine frohe Botschaft“.

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