Evangelische Familienbildung feiert 60-jähriges Bestehen

Hier ist jeder Willkommen

Als 1959 in einer Eppendorfer Villa die „Mütterschule“ gegründet wurde, sollten Frauen dort praktische Fähigkeiten für Haushalt und Kindererziehung lernen. Heute hat sich einiges geändert.

Eppendorfer Bildungstrio: Britta Spanke betreut die Babykurse, Liesel Amelingmeyer leitet die Einrichtung und Susanna D’Amato (v.l.) ist für viele Ernährungskurse verantwortlich.

Eppendorfer Bildungstrio: Britta Spanke betreut die Babykurse, Liesel Amelingmeyer leitet die Einrichtung und Susanna D’Amato (v.l.) ist für viele Ernährungskurse verantwortlich.

von Friederike Lübke

Eppendorf. „Häusliches Nähen“ wurde angeboten, Säuglingspflege und der „Grundkurs Kochen und Backen im Haushalt“ gleich mehrfach. Das erste Programm der Evangelischen Familienbildung in Eppendorf aus dem Jahr 1959 war vor allem eins: praktisch. Heute liest sich das ganz anders. Mütter mit Babys besuchen „Delfi/Pekip“-Kurse. Kochen kann man immer noch, aber es gibt auch einen Kurs zur „Ursachenfindung für emotionalen Hunger“. Vieles hat sich verändert, aber die Einrichtung ist immer noch da.

Aus Mütterschule wurde Familienbildung

Untergebracht ist die Evangelische Familienbildung damals wie heute in einer Villa am Loogeplatz. Das Doppelhaus direkt gegenüber der U-Bahnhaltestelle Kellingshusenstraße trägt auch zur Beliebtheit der Einrichtung bei, glaubt die Leiterin Liesel Amelingmeyer. Den Räumen sieht man ihre lange Geschichte an. Dunkle Schrankwände stehen dort ebenso wie moderne Sitzgarnituren. „Es ist berührend, wenn eine Frau sagt: Meine Mutter war schon mit mir hier“, sagt Britta Spanke, die für die Kurse vor und nach der Geburt zuständig ist.

Als die Einrichtung gegründet wurde, hieß sie „Mütterschule des Evangelischen Frauenwerks Hamburg“ und bildete Frauen vor allem für Haushalt und Kindererziehung aus. Als sich das Frauen- und Familienbild wandelte, wandelte sie sich mit. Heute stehen auch Angebote für Väter im Programm. Die Kurse sind kürzer geworden. Die Teilnehmerzahl ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben. 2018 kamen zu den 600 Kursen insgesamt 6700 Teilnehmer.

Zwölf Familienstellen gibt es in Hamburg

Eppendorf ist ein Stadtteil mit vielen gutgestellten Familien. Die Arbeitslosigkeit beträgt weniger als drei Prozent. Der Bugaboo-Kinderwagen ab 700 Euro gehört zum Straßenbild. Alleinerziehende und Mieter in Sozialwohnungen gibt es hier auch, aber wenige. Die Preise der Familienbildungsstätte bilden die Struktur ab: In Harburg gibt es zehn Termine Babykurs für 65 Euro, in Eppendorf kosten sie 135 Euro.

In der Bildungsstätte stellen sie fest, dass viele Mütter älter sind und oft schon Karriere gemacht haben. Was die Eppendorfer mit allen Eltern eint, ist, dass sie es richtig und gut machen wollen, berichtet Britta Spanke. Manchen muss sie raten, sich die Woche nicht zu voll zu packen. Andere ermutigt sie, sich mehr Zeit zu nehmen. „Ich finde es wichtig darauf hinzuweisen, dass man das Kind nicht mit einem Jahr in die Kita geben muss“, sagt sie.

Kaum Anmeldungen für Religionsfragen

Der Punkt „Religion und Glaube“ steht auch noch im Programm. Es gibt beispielsweise einen Kurs für Trauerarbeit mit Kindern. Alle Eltern bekommen ein Informationsheft zur Taufe, auch Kirchenführungen werden angeboten. An speziell religionspädagogischen Kursen aber scheint es nur wenig Bedarf zu geben. „Versucht haben wir es“, sagt Liesel Amelingmeyer. Für den Kurs „Christliche Feste erlebt und erklärt“, den sie selbst mitgestaltet hat, gab es eine einzige Anmeldung.

Liesel Amelingmeyer stellt das Positive heraus: In vielen Kursen werde sehr wohl über Glaube gesprochen, Eltern fragten auch danach, aber eben im Kontext all ihrer Fragen. Manchmal ergebe sich das Gespräch darüber spontan. „Wir versuchen, jede Familie auf ihrem Weg zu begleiten“, sagt sie. Das Evangelische zeige sich auch im Menschenbild, in der Haltung der Mitarbeiter und darin, dass jeder willkommen sei. „Ich bin ein großer Verfechter dieser Offenheit“, sagt sie.

Die Feier zum 60-jährigen Bestehen findet am Sonnabend, 24. August, von 10 bis 17 Uhr in der Familienbildungsstätte in Eppendorf, Loogeplatz 14-16, statt.

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