Psychosoziales Netzwerk

Hier gibt es keine Tabus

Die Militärseelsorge ist Teil des Psychosozialen Netzwerks.

von Stephan Schmid

Die Bundeswehr legt großen Wert darauf, dass Soldaten und zivile Mitarbeiter in allen Bereichen ihres Dienstes und ihres privaten Lebens Unterstützung und Begleitung erfahren. Für diese Unterstützung gibt es den Sanitätsdienst, den truppenpsychologischen Dienst, den Sozialdienst und die Seelsorge für die Bundeswehr. Mitarbeitende aus all diesen Bereichen treffen sich regelmäßig zum Austausch und auch für konkrete Fallbesprechungen im Psychosozialen Netzwerk der Bundeswehr.

Die Probleme sind zum Teil sehr speziell, betroffen aber ist immer der ganze Mensch und auch seine Umgebung. So saß kürzlich ein Soldat bei mir, der erzählte von Spannungen zwischen ihm und seiner Frau und vom zerrütteten Verhältnis zu seinem Bruder. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass der Soldat immer wieder Geld im Spielcasino verloren hatte. Seinem Bruder war er dort begegnet und dieser hatte ihn aufgefordert, damit aufzuhören. Seine Frau wusste nichts davon. Ihn selbst plagte sein Gewissen. Inzwischen hatte sich auch ein Berg Schulden angehäuft.

Als wir dieses Paket aufgeschnürt hatten, sah ich, dass ich mit ihm gemeinsam Wege finden könnte, zum Umgang mit Frau und Bruder und mit seinen Gewissensbissen und Schuldgefühlen. Das Problem der Spielsucht und die Frage nach dem Umgang mit den Schulden aber empfahl ich ihm, in kompetentere Hände zu legen – nämlich in die des Sozialdienstes, dort kennen sich die Mitarbeiterinnen mit Schuldnerberatung und Suchtberatung aus. Dies Angebot nahm er an, machte aber auch mit mir noch einen weiteren Gesprächstermin aus.

Belastung als Pendler

In einem anderen Fall bekam ich einen Anruf eines Arztes. Im Gespräch mit einem Patienten hatte sich herausgestellt, dass der Vater des Patienten unlängst gestorben war. Der Arzt hatte den Eindruck, dass es dem Mann guttun würde, sich mit dem Thema „Tod und Trauer“ zu beschäftigen. Das Angebot des Arztes, dies mit dem Militärgeist­lichen zu tun, nahm der Soldat gern an und saß einige Tage später bei mir.

Viele Soldaten sind Wochenendpendler. Für manche funktioniert das gut, für andere wird es zur Belastung. In diesem Fall gibt es die Möglichkeit, eine Versetzung in einen heimatnahen Standort zu beantragen. Ein solcher Antrag hat mehr Gewicht, wenn Empfehlungsschreiben beigelegt werden. Solche können von den einzelnen Bereichen des Psychosozialen Netzwerks geschrieben werden. Guter Austausch und enge Absprache sind in all diesen Fällen hilfreich. Und es ist immer wieder erfreulich zu sehen, wie den Menschen in Not durch dieses Netzwerk, schnell und ohne große Hürden geholfen werden kann.

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