Zu Besuch in einer Hamburger Backstube

Hier backen Konfis Brot für die Welt

Wieviel Arbeit steckt eigentlich in einem frisch gebackenen Brot? Konfis aus Hamburg wissen das jetzt ganz genau – nach einem Tag in der Backstube.

Anpacken ausdrücklich erlaubt: Pastor Thorsten Krause (2.v.l.) backt zusammen mit seinen Ex-Konfis Brote in der Backstube von Jan-Henning Körner (2.v.r.)

von Johanna Tyrell

Hamburg. „Mehl, Wasser, Salz – das ist alles, was ein Brot braucht.“ Es ist warm in der Backstube von Jan-Henning Körner. Der Bäckermeister kippt Mehl auf die Arbeitsfläche. Um ihn herum fünf frischgebackene Konfirmanden der Nikolaikirche in Finkenwerder. „Wenn ihr das nicht selbst gemacht habt, könnt ihr die Brote morgen auch nicht mit Überzeugung an die Leute bringen“, so Körner. Nina Martens, Josefine Erdmann, Michelle Nobis, Ronja Röll und Marieke Lendt und der Finkenwerder Bäcker nehmen an der Aktion „5000 Brote. Konfis backen Brot für die Welt“ teil, die mit einem Gottesdienst in der Nikolaikirche gestartet ist. Noch bis zum ersten Sonntag im Advent werden Konfirmanden auf dem gesamten Gebiet der Nordkirche mit Innungsbäckereien Brote backen und diese gegen Spenden verteilen.

Doch bis die fertigen Laibe unter die Leute gebracht werden können, liegt noch eine Menge Arbeit vor den jungen Bäckerinnen. Auf der Arbeitsfläche vor ihnen warten Mehl, Salz, Wasser und Sauerteig darauf, verarbeitet zu werden. Vorsichtig beginnt Marieke Lendt, mit dem Finger Mehl und Wasser zu verrühren. „Immer mit beiden Händen kneten“, mahnt der Bäckermeister. Langsam wird aus dem bröckeligen Haufen ein geschmeidiger Teig. Fast zu geschmeidig.

Zuhause wird Kuchen gebacken

„Ich backe zuhause ja auch. Aber eher Kuchen aus Rührteig oder Plätzchen. Da ist der Teig nicht so klebrig“, sagt die 16-Jährige und schaut auf ihre vollkommen verklebten Hände. „Das ist normal“, weiß Körner. „Wenn es klebt, einfach runtermachen.“ Er kratzt sich mit einer roten Teigkarte die Finger sauber.

Für ein gutes Brot braucht man Mehl, Wasser und Salz Foto: Markus Krohn

Selbst Hand an den Teig zu legen, das sei wichtig, um ein Gefühl für das Handwerk zu bekommen, erklärt Körner. Inzwischen übernehme allerdings eine Knetmaschine die Arbeit. „Vor 100 Jahren gab es die noch nicht. Daher gab es da auch noch kaum Brötchen“, erzählt er und wiegt einen 600 Gramm Klumpen Teig nach dem anderen ab. So viel braucht es, damit am Ende ein 500 Gramm Laib aus dem Ofen kommt.

Diese Wertschätzung für das Handwerk beobachtet auch Pastor Thorsten Krause bei seinen Konfirmanden. Er macht bereits zum dritten Mal bei der Aktion mit und baut sie auch in den Konfirmandenunterricht ein. „Ich stelle bei den Konfis ein ganz anderes Bewusstsein für die Preise fest, wenn sie wissen, was für Zeit und Arbeit in einem Brot steckt.“

„Nicht schmeißen, zärtlich umdrehen!“

Inzwischen hat Körners Tochter Maria das Abwiegen übernommen. Körner selbst zeigt Pastor Krause und Michelle, wie aus den Klumpen runde Laibe werden. „Mit den Handballen nach außen, mit den Fingerspitzen nach innen.“ Es sieht so leicht aus. Innerhalb von Sekunden hat Körner mit je einer Hand ein Brot geformt. Nach und nach füllen sich die Bleche. Ist eins voll, kommt ein Leinentuch darüber und die Teiglinge dürfen aufgehen.

Nach einer Stunde wird gebacken. Wieder muss jeder Laib einzeln angefasst und auf eines der großen Bleche gelegt werden. Dabei werden sie einmal gedreht, um im Ofen rustikal aufzureißen. „Nicht schmeißen, zärtlich umdrehen. Sonst geht die Luft raus“, mahnt Körner.

Premiere vor acht Jahren

Die deutschlandweite Backaktion fand erstmals 2014 statt. Die Nordkirche hat sich bisher drei Mal beteiligt, wobei Spenden in Höhe von rund 65 000 Euro zusammenkamen. „Mit dem Erlös werden in diesem Jahr drei Projekte für Jugendliche von Brot für die Welt gefördert“, erklärt Kerstin Albers-Joram. Sie ist Referentin beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt und organisiert zusammen mit Brot für die Welt, der Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord und dem Pädagogisch-Theologischen Institut der Nordkirche die Aktion. Es gehe nicht nur darum, jungen Menschen in Myanmar, Malawi und Paraguay zu helfen, sondern „die Konfis hier in Finkenwerder lernen dabei auch etwas über das Bäckerei-Handwerk. Wer von uns weiß heute noch, wie aufwändig es ist, ein Brot zu backen?“, fragt Albers-Joram.

Und genau das erreicht die Aktion auch an diesem Tag. „Ich habe mir Brotbacken nicht so kompliziert vorgestellt“, sagt Michelle. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen, bereits nach 35 Minuten kommen duftende Brote aus dem Ofen.

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