Die christliche Kolumne

Herzliches Lob

Über die Allmacht Gottes schreibt Sven Kriszio. Er ist Redakteur der Evangelischen Zeitung.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott.“ Apostelgeschichte 16, 23-34

Angesichts der Allmacht Gottes legte der geschundene Hiob­ einst seine Hand auf den Mund und verstummte. So steht es in Kapitel 40. Alles war dem frommen Mann genommen, und er hätte wohl allen Grund zur Klage gehabt. Aber Hiob muss erkannt haben, dass er gegen diesen scheinbar erbarmungslosen Gott nichts ausrichten kann und er deswegen besser schweigt.

Die Erfahrung des Ausgeliefertseins ist beklemmend. Auch Paulus und Silas machen sie auf ihrer Missionsreise. Als sie ins Gefängnis gesperrt werden, haben sie kaum Hoffnung, je wieder freizukommen. Aber was tun diese beiden Gefangenen? Sie sprechen mit Gott, tragen ihre Klage vor, sie bitten um Befreiung und stimmen sogar ein Loblied auf Gott an – anders als Hiob es vermochte.

„Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will Ihn herzlich loben, solang ich leben wird.“ (EG 302) Dieses Lied von Paul Gerhardt sang ich vor ein paar Jahren im Krankenhaus. Plötzlich ging es mir über die Lippen, das Lied war einfach da. Und mit ihm ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht war mir der allmächtige Gott in seiner unfassbaren, unendlichen Gnade in diesem Moment doch sehr nahe?

Dieses Wunder kann geschehen. Paulus und Silas kommen jedenfalls frei, als ein Erdbeben die Mauern des Gefängnisses ins Wanken bringt und die Gittertüren aufspringen lässt. „Glaube an den Herrn Jesus“, sagen sie zum Kerkermeister. Der sinkt auf seine Knie und wird angesichts dieses Erweises der Macht Gottes gläubig.

Das ist das Wunder: Gott in seiner Allmacht steht uns bei: Wenn alles gut scheint, aber eben auch in der Dunkelheit der Nacht, in der tiefsten Gefängniszelle oder im einsamsten Krankenbett. Dort, wo sein Lob gesungen wird – gegen besseres Wissen. „Glaube an den Herrn Jesus Christus!“ Du brauchst nicht verstummen oder ratlos sein wie der geschundene Hiob. Wie mächtig ist doch Gott!

Unser Autor
Sven Kriszio ist Redakteur der Evangelischen Zeitung in Hannover und Diplom-Theologe.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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