App Evermore im Selbsttest

Heilige Momente per App

Mit „Evermore – Heilige Momente“ geht die Landeskirche Hannovers neue Wege. Sie will die Menschen im digitalen Raum ansprechen. Wir haben die App getestet.

Diakon Rainer Koch (l.) und Nico Mühlan von „Gobasil“ haben die Entspannungs-App erstellt.

von Sven Kriszio

Hannover. „Nimm dir einen Moment der Stille, lass deinen Atem frei fließen“, fordert mich eine sanfte Stimme auf“. Unwillkürlich lehne ich mich zurück. Mit geschlossenen Augen genieße ich die wohlig-sphärische Musik, die ich aus anderen Entspannungsübungen von „Evermore“ kenne. Ich spüre, wie ich immer ruhiger werde. Ich lasse mich davontragen. Rainer Koch hat sich diese Wohltat ausgedacht, die seit Anfang November auf dem Markt ist. Es handelt sich um eine umfangreiche Handy-App mit geistlichen Übungen. „Die App soll helfen, im Alltag innezuhalten und sich auf Gott auszurichten“, sagt der Referent für Missionarische Dienste. Es gehe um Atemholen im Alltagsstress.

Da meldet sich die sanfte Stimme wieder

Ich solle meine Aufmerksamkeit auf den Moment der „Atemleere“ richten, in dem nichts passiert. Ein buddhistischer Begriff in einer christlichen Handy-App der Landeskirche Hannovers? Rainer Koch stellt klar: „Wir wollen die Menschen erreichen, die im digitalen Raum unterwegs sind.“ Man wolle die Ressourcen des christlichen Glaubens so kommunizieren, dass diese Menschen einen Zugang finden, so der Diakon weiter.

Ich lausche den sphärischen Klängen nach, spüre Stille und Weite und beginne loszulassen – eine wohltuende Pause. Koch selbst geht seit vielen Jahren ins Kloster. Dort praktiziere er Schweigezeiten und Exerzitien, geistliche Übungen also, erzählt der 51-jährige Diakon. Dabei sei die Idee zur Vorläufer-App „XRCS“ entstanden, eine Abkürzung für den englischen Begriff „exercise“, „üben“. „Die App war ein Beitrag zur ‚Zeit der Freiräume‘“, sagt Koch.

Die neue App gibt es kostenlos

Im Mittelpunkt der Übungen standen damals noch Fragen, die inspirieren, eigene Erfahrungen ermöglichen und auf „heilsame Gedanken“ bringen sollten, ohne dabei jedoch zu belehren. „Da heißt es zum Beispiel: ‚Wann hast du zuletzt dein Glück in vollen Zügen genossen?‘“ Manche hätten sich mehr Inhalt ­gewünscht, gibt Koch zu. Doch insgesamt habe „XRCS“ viel positive Resonanz gefunden. Rund 18 000 Menschen hätten sich die App auf ihr Handy geladen.

In der Neuauflage der App, die in enger Zusammenarbeit mit der Kommunikationsagentur „Gobasil“ entstanden ist und jetzt kostenlos in den App-Stores heruntergeladen werden kann, gesellen sich dazu auch Meditationen, geistliche Übungen und Impulse, die morgens, mittags und abends praktiziert werden können. „Wir haben uns acht Grundbedürfnisse wie Dank, Abschalten und Trost überlegt und uns verschiedene Hör- und Lesemeditationen ausgedacht.“

„Evermore“ bedeutet für immer und ewig

Sechs Mitarbeitende, darunter Torsten Pappert von den Missionarischen Diensten, Kay Oppermann von der Evangelische Medienarbeit und Mareike Heß vom Evangelischen Kirchenfunk als Sprecherin, seien an „Evermore“ beteiligt. Der Begriff stammt übrigens aus der englischen Liturgie und bedeutet so viel wie „für immer und ewig“.

Einen der kurz gehaltenen Texte, die ich in einer anderen Übung lese, hat die Theologin Dorothee Sölle aufgeschrieben: „Hör nicht auf, mich zu träumen, Gott.“ Während ich über dieses Wort nachsinne, schaue ich aus dem Fenster hinüber zum Turm der Marktkirche. „Nimm noch einmal ein bis zwei Atemzüge“, höre ich die sanfte Stimme sagen. Und nach einer Pause sagt sie schließlich: „Gott segne Dich!“

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