Befall mit Hausschwamm

„Haus der Kirche“ in Güstrow wieder offen

Baulärm? Dreck? Alles Vergangenheit! Das „Haus der Kirche“in Güstrow ist wieder geöffnet – nicht nur zur Freude der Mitarbeiter.

Diakon Mathias Thoms leitet das „Haus der Kirche“ in Güstrow

von Marion Wulf-Nixdorf

Güstrow. Aufatmen: Die Handwerker sind weg. Es ist Ruhe eingekehrt. Die Zimmer sind gesäubert, an den Fenstern hängen frisch gewaschene Vorhänge. Das bei Gästen beliebte Kaminzimmer kann wieder genutzt werden. Das „Haus der Kirche“ in Güstrow, mitten im Zentrum, kann seit Anfang Februar wieder alle 32 Zimmer für Gäste zur Verfügung stellen, ist Mathias Thoms zufrieden.
Kurz vor Antritt als neuer Leiter des Hauses vor dreieinhalb Jahren – Vorgängerin Beate Hübener war im Mai 2012 in die Altersteilzeit gegangen – hatten Mitarbeiterinnen an der Außenwand des erst 2010 sanierten Erweiterungsbaus sogenannte Fruchtkörper entdeckt. Ein Gutachten ergab: Hausschwamm.
Einen Monat nach seinem Dienstantritt wurde ein Zimmer stillgelegt, die Decke geöffnet. Von elf Deckenbalken war nur noch einer tragbar, alle anderen hingen in der Luft. Dabei war das früher eigenständige Haus – Grüner Winkel Nr. 9 – in den Jahren 2009 bis 2010 vollständig für rund eine Million Euro saniert worden. Schon im August und September 2012 mussten dann für weitere Untersuchungen insgesamt vier Zimmer geschlossen werden. „Der Umfang wurde immer größer.“

Rund eine halbe Million Euro Schaden

Dieses Haus hatte vor der Sanierung Jahre lang leer gestanden, bevor die damalige Landeskirche Mecklenburg es kaufte, um wirtschaftlicher arbeiten zu können und auch für Busreisegruppen zum Beispiel zur Verfügung stehen zu können. Bei der Sanierung hatte die Baufirma alle Holzteile gründlich auf Schwamm prüfen müssen. Dabei ist eine Stelle übersehen worden, die sich dann durch das ganze Haus und auch in das alte Nebengebäude ausgebreitet hatte, auch gab es Fehler bei der Sanierung, so Mathias Thoms.
Der Kirchenkreis Mecklenburg, als Träger des Hauses, entschied, ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren in Auftrag zu geben, um den Schaden feststellen zu lassen. Bis heute sind Kirchenkreis und die Versicherung der damaligen Architekten und Planer vor Gericht – der Kirchenkreis geht davon aus, dass der Verursacher des Schadens, der über 500 000 Euro beträgt, die Kosten trägt.
Dreieinhalb Jahre nun dauerte es, bis alle Schwammbeseitigungsarbeiten restlos abgeschlossen sind. Die meisten Arbeiten liefen bei eingeschränktem Betrieb. „Ein Zimmer allerdings konnte 1273 Tage nicht vermietet werden“, beschreibt Thoms den Ausfall. Lange Zeit trennte eine Plane die Gäste von der Baustelle. Zwei Monate musste der Betrieb für Gruppen ganz geschlossen werden – wegen des Krachs und Drecks während der Bauarbeiten. Das sei den Gästen nicht mehr zumutbar gewesen, so Thoms. Denn auch zwei Zimmer im Altbau waren betroffen. Die Küche konnte nicht arbeiten.

Den Gästen abgesagt

Einigen Gästen, die schon einen Belegungsvertrag geschlossen hatten, musste in den drei Jahren abgesagt werden, erzählt Büro-Mitarbeiterin Annette Schünemann. Bei einigen gelang es, im Ort andere Zimmer anzumieten. Stammgäste hätten verständnisvoll reagiert.
Was für ein Ausfall! Es sind nicht nur die hohen Kosten für die Bauarbeiten, es schlagen auch die Ausfallkosten bei der Belegung zu Buche. Trotzdem konnten alle Mitarbeiter – zwei Köchinnen und drei Servicekräfte, alle Teilzeit angestellt – sowie der Leiter und Büromitarbeiterin (50 Prozent) weiter beschäftigt werden.
Aber nun geht es wieder um den eigentlichen Betrieb des Tagungs-, Bildungs- und Begegnungshauses. Der Buchungsplan für 2016 sehe gut aus. Größere Gruppen fänden nur noch Ostern und ab 2. Advent mehrere freie Zimmer, sagt Hausleiter Mathias Thoms, der auch geschäftsführend für das zweite in kirchenkreislicher Trägerschaft befindliche Haus in Damm bei Parchim verantwortlich ist.

Sonderkonditionen für kirchliche Gruppen

Im gesamten Haus gibt es in den 32 Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmern 51 Betten. Das Haus hat für Tagungen und Seminare fünf verschieden große Räume mit entsprechender Technik. Ein Fahrstuhl und ein begrünter Innenhof, in dem im Sommer auch gern gegrillt wird, stehen zur Verfügung.
Zu 75 Prozent ist das Haus mit kirchlichen Gruppen belegt, sagt Mathias Thoms. Für sie gelten Sonderkonditionen. Aber auch einzelne Gäste kommen zum Urlaub machen, Radfahrer machen gern hier Rast, Familien feiern in den Räumen.
Info
Kontakt: E-Mail: hdk@haus-der-kirche-guestrow.de, Tel. 03843 / 217 80.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren