Ehemaliger EKD-Ratsvorsitzender

Hannoversche Landeskirche trauert um Theologen Martin Kruse

Er war Direktor am Predigerseminar in Loccum und Landessuperintendent in Stade. Danach wurde er Bischof im geteilten Berlin.

Martin Kruse im April 2019, kurz vor seinem 90. Geburtstag

Hannover/Stade. Die hannoversche Landeskirche trauert um den ehemaligen Ratsvorsitzenden und früheren Berliner Bischof Martin Kruse. Der aus Niedersachsen stammende Theologe ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Vor seinem Amtsantritt in Berlin war Kruse als „Landessuperintendent“ Regionalbischof des Sprengels Stade.

Landesbischof Ralf Meister würdigte Kruse als „herzlichen und menschennahen Theologen“. Als Gemeindepastor, Mitarbeiter an der Akademie Loccum, Konventualstudiendirektor des Predigerseminars Loccum und Landessuperintendent in Stade habe er die Landeskirche an vielen Stellen nachhaltig geprägt.

Bewegte Zeit

Der heutige Regionalbischof des Sprengels Stade, Hans-Christian Brandy, ergänzte, Kruse sei in einer sehr bewegten Zeit von 1970 bis 1976 Landessuperintendent gewesen. Er habe großen Wert auf das direkte Gespräch mit den Menschen und die geistliche Präsenz in Gottesdiensten gelegt. Bereits am Freitag hatte die Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, Kruse als einen „Brückenbauer mit einem weiten Horizont“ gewürdigt.

Kruse wurde als Sohn eines Pfarrers in Lauenberg im Solling geboren und wuchs in Thüringen sowie in Lingen im Emsland auf. Nach seinem Theologiestudium wurde er Vikar in Delmenhorst. Ab 1957 arbeitete er in der Evangelischen Akademie Loccum und wurde dort Studienleiter und Stiftsprediger. Ab 1964 übernahm er das Amt des Konventual-Studiendirektors am Predigerseminar im Kloster Loccum, bevor er 1970 nach Stade wechselte.

Im Rat der EKD

Im Mai 1976 wurde der Theologe zum Nachfolger von Kurt Scharf als Bischof der damaligen West-Region der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg gewählt und trat im darauffolgenden Jahr sein Amt an. Von 1991 bis 1994 hatte er das Bischofsamt für die gesamte Landeskirche inne. Seine Amt als Bischof wurde laut EKD wesentlich bestimmt durch die Teilung der Stadt, aber auch durch innerkirchliche Konflikte und Konfrontationen, in denen er versöhnend wirkte.

Von 1979 bis 1991 gehörte Kruse dem Rat der EKD an. Ab 1985 stand er als dessen Vorsitzender für sechs Jahre an der Spitze des Rates der EKD. Als Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen setzte er sich nachdrücklich für die Ökumene ein. (epd)

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