Musiker entwickeln Ampel für Corona-Regeln

Grüne Welle für Posaunen

Es ist ein einziges Regel-Wirrwar: Jedes Bundesland und jede Gemeinde hat eigene Vorschriften. Jetzt schafft das Posaunenwerk für Hamburg und Schleswig-Holstein Klarheit – mit einer Ampel.

Dank dieser Ampeln wissen Posaunisten, was Sache ist

von Verena Leidig

Kiel/Hamburg. Sind Proben erlaubt und wenn ja, mit wie vielen Personen? Dürfen Posaunenchöre im Gottesdienst spielen? Draußen oder auch drinnen? Welchen Abstand müssen sie einhalten – zu den Mitmusikern und zum Publikum? Es ist nicht leicht, die Corona-Regeln zu verstehen und richtig umzusetzen. Vor allem, wenn Posaunenchöre aus unterschiedlichen Bundesländern in einem Posaunenwerk zusammenkommen.

Daniel Rau ist einer der drei Landesposaunenwarte (LPW) der Nordkirche und für Hamburg und den südlichen Bereich von Schleswig-Holstein zuständig. Für die Posaunenchöre gelten die Landesbestimmungen, die Regeln der Nordkirche und die Vorgaben der Gemeinden. „Es ist sehr schwer zu durchschauen“, so Daniel Rau. Um den Chören eine Orientierung zu bieten, hat er im vergangenen Herbst ein Ampelsystem entwickelt, das alle gängigen Einsatzformen der Chöre erfasst. Anfangs sei es noch recht einfach gewesen, da fast alles auf Rot stand: Proben, Einsätze und Gottesdienstbegleitung waren verboten. Doch inzwischen seien die Regeln deutlich komplexer geworden, so Rau.

Unter Auflagen erlaubt

Derzeit zeigt die Ampel wenig Rot. Für einiges leuchtet die Ampel gelb: Dort sind Einsätze unter Auflagen erlaubt. Aber für vieles steht die Ampel auf Grün: Proben, Ständchen, Platzmusik und Unterricht sind mit Einschränkung wieder möglich. Bei unklaren Situationen stimmen sich die Posaunenwarte mit dem Landesmusikrat ab. Manche Bestimmungen gelten für Sänger, Bläser sind aber nicht erfasst. So kam es für Bläser zu absurden Verordnungen und „skurrilen Situationen“, so Rau: Einzelunterricht war erlaubt, aber nur mit Mundschutz. Beim Elbekonzert im September 2020 (wir berichteten) durften die niedersächsischen Bläser am einen Ufer mit 1,5 Meter Abstand stehen, dafür war Publikum verboten. Die Bläser am anderen Ufer in Schleswig-Holstein mussten 2,5 Meter Abstand halten. Dort waren Zuhörer zugelassen, erzählt Daniel Rau.

Der Posaunenchor Tonndorf darf wieder proben Foto: Cornelia Müller

Auch der Hamburger Posaunenchor Tonndorf profitiert von der Corona-Ampel, wie Chorleiterin Cornelia Müller erzählt. „Es ist schwierig, den Überblick zu behalten und das Ampelsystem ist super“, sagt die Bezirksleiterin Hamburg-Ost für das Posaunenwerk. Ihr Chor, den sie seit 2015 leitet, hat erst über Zoom geprobt. Jetzt sind wieder Proben möglich. Auf einem überdachten Schulhof kommen die rund 25 Bläser regelmäßig zusammen. Doch nicht alle seien von den Outdoor-Proben begeistert, so Müller. Da gebe es auch Beschwerden aus der Nachbarschaft, aber auch viel positive Resonanz.

Und auch Einsätze bei Open-Air-Gottesdiensten sind erlaubt. „Die Leute sind in der Corona-Zeit sehr erfinderisch geworden und lassen sich auf Veränderungen ein“, sagt Müller. Auch die Motivation ist jetzt groß: „Wir proben in den Ferien durch.“ Besonders freut sich der Chor darüber, dass die Feier zum 70-jährigen Bestehen Anfang Juli stattfinden konnte. Dazu haben sie die Festintrade „Gemeinsam Luft bewegen“ von Jürgen Pfiester uraufgeführt, die eigens für den Chor komponiert wurde.

Kondenswasser ist kritisch

Der Ruf der Posaunenchöre habe mit Corona ein wenig gelitten, sagt Daniel Rau. „Früher sind alle weggerannt, weil sie dachten, dass Bläser zu laut sind“, sagt Rau. Heute halten sie aus anderen Gründen Abstand. Diese gesunde Skepsis kann der 41-Jährige verstehen – „weil man es einfach nicht genau weiß“. So gibt es viele Fragen und Untersuchungen zur Aerosolbelastung. Kritisch ist das Kondenswasser, das die Bläser auffangen und entsorgen müssen.

Wenn eine neue Verordnung herauskommt, wird sie gelesen und interpretiert und mit dem Landesmusikrat und dem Verband der Musikschulen abgestimmt. Neben der Ampel, die auf der Homepage zeitnah aktualisiert wird, bieten die LPW auch Beratungen an.

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