Gottes Liebe

Darüber, wie Gott Ja zu uns sagt, schreibt Annemargret Pilgrim. Sie lebt als Pastorin i. R. in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern).

Der Predigttext des kommenden Sonntags lautet: „Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker –
denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat …“ Deuteronomium 7, 7 + 8a

Das kennen wir: Wir halten uns für was Besseres! Monika findet sich hübscher als Maria, Sven meint, er wäre bedeutender und verdienstvoller als Jonas, Rike wähnt sich intelligenter als Hanna …

Das deutsche Volk fühlte sich erhaben über andere Völker, größer. Sah sich selbst als erwählt. Schließlich hatte es berühmte Dichter und Denker hervorgebracht. Goethe und Schiller, Hesse und Heine. Auch Musiker: Bach, Beethoven, Brahms. Mediziner, Architekten, Künstler, Ingenieure. „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!“ Spätestens am schmerzvollen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Anmaßende dieses Satzes in seinem ganzen Ausmaß deutlich. Der Holocaust mit 6 Millionen ermordeter jüdischer Mitbürger, 55 Millionen Kriegstoten, zerstörten Städten und Dörfern und Landschaften, mühseligem Wiederaufbau … millionenfach verrostete Munition auf dem Grund unserer Meere, Kriegsschäden bis heute – halten wir uns etwa immer noch für die Größten?

Das von Gott erwählte kleine Volk Israel hat viel Schweres durchlitten. Mit ihm hatte Gott einen Bund für die Ewigkeit geschlossen. Obwohl es ihn so oft gebrochen hat. Gott hat es erwählt, ohne dass es sich das verdient oder gewollt hätte. Aus Liebe. Aus keinem anderen Grund. Und Liebe lässt sich nicht begründen, wie wir wissen.

Und wir Christen heute in unserem Land? Ohne dieses kleine Volk und seine Geschichte und ohne den Juden Jesus, unseren Christus, sähen wir ganz schön alt aus. Durch ihn ist Gottes Liebe allen Menschen und Völkern zugewandt. Er hat uns erwählt. Und liebt uns: Monika und Maria, Sven und Jonas, Rike und Hanna. Keiner ist allein auserwählt, darum braucht sich keiner etwas darauf einzubilden. Gott hat Ja zu uns gesagt, in alle Ewigkeit. Das wird deutlich durch sein Ja zu uns in der Taufe, ohne alle Gegenleistung. Ich glaube, er freut sich, wenn wir in seinem Sinn zu leben versuchen, und anerkennt auch unsere vergeblichen Bemühungen. Weil er uns, jeden Einzelnen, jedes Volk dieser Erde, unendlich liebt!

Unsere Autorin
Annemargret Pilgrim lebt als Pastorin i. R. in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern).

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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