Einsichten – die christliche Kolumne

Gott, der Weingärtner

Über einen enttäuschten Gott in seinem Weinberg schreibt Andreas Zachmann. Er ist Pastor in Kirchgellersen in Niedersachsen.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm?“ Jesaja 5, 4 (2)

„Ich habe doch nun wirklich alles gemacht“, sagt der Weingärtner. „Den Boden habe ich umgegraben und alle Steine rausgesammelt. Ich habe in meinem Weinberg Reben gepflanzt. Und zwar nicht irgendeinen Mist, sondern richtig gute Reben. Auch einen Turm habe ich gebaut und eine Kelter. So viel habe ich reingesteckt, wirklich alles habe ich getan für die Reben! Doch was da jetzt an Trauben wächst, taugt einfach nichts. Ich könnte heulen.“

Jesaja erzählt im Weinberglied nicht von irgendeinem beliebigen Weingärtner, sondern er meint Gott. Und der Weinberg ist das Volk, das Gott erwählt und lieb hat. Aber weil die Trauben nicht so wachsen, wie er sich das vorstellt, sieht Gott seinen Weinberg traurig und enttäuscht an. Und dann entbrennt sein Zorn.

„Jetzt reicht es mir! Ich trete den Zaun um“, schnaubt er. „Dann werden Tiere kommen und den Berg wieder kahl fressen. Und ich reiße die Mauer ein, damit hier alles kaputt getrampelt und zerstampft wird. Und wenn alles vernichtet ist, dann mache ich hier nichts mehr. Gar nichts werde ich hier mehr machen! Und dann sehen wir ja, was hier noch wächst. Disteln und Dornen statt saftiger Trauben. Und regnen soll es auch nicht! Soll dieser Berg doch vertrocknen. Ist mir egal!“

Die Kehrseite des Zorns

Dann wird es still, und Gott hält inne. Sein Zorn hat eine Kehrseite. Es ist keine blinde und vernichtende Wut. Denn Gott hängt an seiner Pflanzung und liebt seinen Weinberg. Sollte da, wo Gottes Liebe ist, nicht auch Gottes Barmherzigkeit und Treue sein?

Als die Enttäuschung gezeigt, der Zorn verflogen und die letzte Träne weggewischt ist, findet Gott neue Worte. „Du bist mir eben wirklich nicht egal. Sonst hätte ich hier längst alles abgebrochen. Ich wäre gegangen, einfach so. Und hätte dich im Stich gelassen … Aber ich konnte das nicht. Denn du brauchst mich, und ich brauche dich.“

Unser Autor
Andreas Zachmann ist Pastor der St-Laurentius-Gemeinde Kirchgellersen (Niedersachsen).

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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