Einsichten – die christliche Kolumne

Gott denkt an uns

Über den Glauben während einer Krankheit schreibt Kristina Pitschke. Sie ist Pastorin in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen.“ aus Jesaja 38, 9-20

Da passt man einmal nicht auf, dreht sich einmal in die falsche Richtung oder hält sich falsch fest – und zack! Der Fuß ist verstaucht oder die Hand gebrochen. Und ehe man es sich versieht, ist man ein ständiger Gast in irgendeinem Wartezimmer.

„Sport ist Mord“ – sagt man ja auch. Man muss aber kein Leistungssportler sein, um festzustellen, dass es ziemlich schnell gehen kann mit Verletzungen oder Krankheiten. Das geht oft von einer Sekunde auf die andere. Wenn es gut läuft, braucht die Heilung zwar Zeit, ist aber absehbar, egal ob Bänderriss oder grippaler Infekt. Wenn es schlecht läuft, ist die Krankheit vielleicht von Dauer oder keine Gesundung in Sicht.

Es steckt eine gewisse Ironie darin, dass der Predigttext vom Sonntag vom kranken Hiskia handelt, während ich mich gerade von einer Knie-OP erhole. Doch gerade deshalb geht mir der Text auf eine besondere Weise nahe. Als junger Mensch gibt man sich ja gern der Illusion hin, dass Gesund-Sein das Normalste auf der Welt ist. Wenn plötzlich keine Kraft mehr da ist, kann das bedrohlich sein. Das betrifft den Körper, aber auch die Seele.

Kein Platz mehr für Gott

„Wenn ich krank bin, dann denke ich eigentlich nicht an Gott – da bin ich ja mit mir beschäftigt.“ Sagte ein Bekannter zu mir. Krankheit kann das ganze Leben verändern, alles erscheint plötzlich im Licht dessen, was mir fehlt – selbst die Dinge, die mir sonst so viel Freude bereiten. Da ist dann ganz oft kein Platz mehr für Gott.

Hiskia erzählt im Predigttext von seinem Leiden, dem nahenden Tod und dass die Angst alles zu überschatten scheint. Doch als er wieder gesund wird, folgt für ihn die Erkenntnis: „Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen.“

Das ist das Versprechen: Gott liegt etwas an uns. Gerade in Zeiten, in denen wir nicht einmal für uns selbst Kraft haben. Wir können dann vielleicht nicht an Gott denken, aber das macht gar nichts. Er denkt ja schon an uns. In diesem Sinne: Bleiben Sie behütet!

Unsere Autorin
Kristina Pitschke ist Pastorin in den Kirchengemeinden Horst, Reinberg und Reinkenhagen (Mecklenburg-Vorpommern).

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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