Angemerkt

Gott braucht offene Türen

Wie Türen ausgrenzen, aber auch Schutz und Sicherheit bieten – darüber schreibt Beate Kopf. Sie ist Pfarrerin im Militärpfarramt Bremerhaven.

Beate Kopf

Türen sind für uns etwas Selbstverständliches und Alltägliches. Es gibt unsagbar viele Arten. Es gibt die einfache Brettertür, es gibt sie prachtvoll an Kirchen und Palästen; es gibt sie in Gebäuden, in Zäunen und Mauern, in Fahrzeugen und in Geräten. Sie dienen als Durchgang, Eingang und Ausgang, Türen verbinden und trennen, sie dienen als Schutz und als Abgrenzung.

Geschlossene Türen vermitteln Schutz und Sicherheit, hinter ihnen fühle ich mich geborgen. Geschlossene Türen können aber durchaus auch ein unangenehmes Gefühl vermitteln von Sich-Abkapseln, Sich-Isolieren, Sich-Zurückziehen, oder andersherum von Ausgeschlossen sein, Abgrenzung, Nicht-Dazugehören. Nichts ist zum Beispiel verletzender als eine zugeschlagene Tür für den, der um Einlass bittet. Die Tür wird dann zur Wand, über die hinweg keine Be­ziehung mehr möglich ist. Sie grenzt ab: Es gibt drinnen und draußen, dazugehören und nicht dazuge­hören.

Eingeschnappt wie ein Türschloss

Und so tun es auch wir Menschen: Wir teilen ein: Du gehörst dazu, du nicht! Wir sperren aus und ein, wir sind gekränkt oder kränken; und wir sind eingeschnappt wie so ein Türschloss in der Tür.

Jede Tür hat ein Schloss oder einen Riegel. Schlösser schließen. Das zugesperrte Schloss macht die Tür zur Wand, zur Mauer. Wenn Offenheit gefährlich wird, ist es wichtig, absperren zu können. Begegnung und Beziehung sind aber nur da möglich, wo wir unsere Türen öffnen. Und dazu braucht es einen Schlüssel, der öffnet oder verschließt. Dreht man ihn Richtung Abneigung, Gewalt, Hass oder Vorurteil, sperrt er ab und aus; dreht man den Schlüssel Richtung Zuwendung, Liebe, Verständigung, Toleranz oder Zuneigung, so öffnet er Menschen füreinander.

Schloss, Schlüssel, Riegel sorgen dafür, dass die Tür zur Wand wird oder dafür, dass die Tür sich öffnet, sorgen dafür, dass die Tür nicht wie die Mauer starr und unbeweglich bleibt, sondern dass sie sich in ihrer Angel bewegen kann.

Dieses dumme Gefühl

Jede Tür hat eine Angel, einen Dreh- und Angelpunkt, um den sich beim Öffnen und Schließen alles dreht. Die Angel macht die Tür beweglich.

Genau genommen ist jeder einzelne von uns wie so eine Tür, nicht nur, dass man sich mal dahinter, mal davor befinden, sich eingeladen oder weggestoßen fühlen kann, sondern man selber wirkt auf andere offen oder verschlossen, einladend oder ausgrenzend.

Gerade zur Zeit habe ich manchmal das dumme Gefühl, wir schauen sehr genau – regelrecht aussortierend – hin, wen lasse ich ein, wen nicht, beziehungsweise durch welche Tür werde ich eingelassen und durch welche nicht.

Was uns fremd ist

Und damit meine ich nicht allein ganz offensichtliche Ausgrenzung von allem, was uns fremd ist, damit meine ich auch schleichende Ausgrenzungen in unserem Land als Corona-Folgeerscheinungen und ich meine inneres Ausgrenzen und Abstempeln anderer, vielleicht mir fremder Ansichten und Meinungen, ohne sich auf einen Austausch auf Augenhöhe, bei geöffneter Tür einzulassen.

Unser Gott braucht aber offene Türen, ja, er will selbst Tür sein. Und das bedeutet doch, wenn er zur Tür zwischen uns Menschen wird, fallen Mauern und Grenzen und wir können das finden, wonach wir wohl alle in unserem Leben immer wieder auf der Suche sind: Weg, Wahrheit und Leben – und das nicht nur für mich, sondern für den anderen vor oder hinter meiner Tür ebenso.

Unsere Autorin
Beate Kopf ist Pfarrerin im Militärpfarramt Bremerhaven.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren