Kirchen-Bündnis demonstriert für Flüchtlingsrettung im Mittelmeer

Rettungsdecken als Symbol

Etwa 30 Teilnehmer kamen zum Auftakt einer Demonstrationsreihe für Seenotrettung und eine zukunftsfähige Migrationspolitik.

Marsch von St. Petri bis zum Rathaus: Im Hamburger Zentrum warben zum Auftakt einer Demonstrationsreihe rund 30 Teilnehmer für eine humanere Migrationspolitik.

Marsch von St. Petri bis zum Rathaus: Im Hamburger Zentrum warben zum Auftakt einer Demonstrationsreihe rund 30 Teilnehmer für eine humanere Migrationspolitik.

von Klaus Merhof und Thorge Rühmann

Hamburg. Die Hamburger Citykirchen haben zum Gebet und zur Demonstration für die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer aufgerufen. Rund 30 Teilnehmer versammelten sich am vergangenen Donnerstag vor der Hauptkirche St. Petri an der Mönckebergstraße zu einer Kurz-Andacht zur Seenotrettung. Im Anschluss zogen die zum Teil von Rettungsdecken umhüllten Teilnehmer in einem Schweigemarsch zum Rathausmarkt.

 „Palermo-Appell“ fordert zukunftsfähige Migrationspolitik

Es war eine überschaubare Zahl an Teilnehmern. Enttäuscht ist Jens-Martin Kruse, Hauptpastor an St. Petri, darüber aber nicht. „Das kommt auf die Perspektive an – uns geht es gar nicht um die Zahl der Teilnehmer an sich“, sagte er. Die Veranstaltungsreihe sei gerade gestartet und dauere bis in den November an – sie werde sicherlich noch wachsen: „Das Entscheidende ist, dass wir als Kirche sichtbar werden mit dem Thema Seenotrettung. Hier haben wir die Möglichkeit, mit einer Art Außenkanzel auf ein zentrales Anliegen unseres Glaubens, nämlich die Hilfe für Menschen in Not, aufmerksam zu machen“, so Kruse. Das sei auch gelungen, viele Passanten auf der Mönckebergstraße hätten die Aktion wahrgenommen.

Während der Veranstaltung wurde der „Palermo-Appell“ verlesen, der von dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, bei einem Besuch auf Sizilien formuliert wurde. Darin wird die Politik zum sofortigen Handeln bei der Seenotrettung und zu einer zukunftsfähigen Migrationspolitik aufgerufen.

Humanitäre Korridore schaffen

Ein gutes Beispiel dafür seien unter anderem die humanitären Korridore, die die katholische Hilfsorganisation „Sant’Egidio“ in Rom schaffe, so Hauptpastor Kruse: In Auffanglangern etwa im Libanon oder in Syrien erhalten demnach Menschen gültige Ausweispapiere, mit denen sie legal und ohne eine gefährliche Flucht übers Mittelmeer nach Europa gelangen können. Zugleich ließen sich so die Schlepper bekämpfen. „Das ist ein sehr guter Weg und ein wichtiges Modell, das man noch ausbauen könnte“, so Kruse. Es sei allerdings eine gesamteuropäische Aufgabe, die überlasteten Mittelmeer-Anrainer wie etwa Italien, Griechenland und Spanien zu entlasten.

Um auf die Aktionsreihe aufmerksam zu machen, waren bereits Ende Juli die 28 Erdgeschoss-Fenster des Ökumenischen Forums HafenCity mit goldenen Rettungsdecken verhüllt worden – aus Protest gegen die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung und für sichere Häfen in Deutschland. Hinter der Initiative stehen die Hamburger Citykirchen St. Jacobi, St. Katharinen, St. Michaelis, St. Petri, St. Georg, der katholische St.-Marien-Dom, die Evangelisch-reformierte Kirche, die Flussschifferkirche, das Ökumenische Forum HafenCity, der Verband Hoffnungsorte Hamburg sowie die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hamburg.

Die Andachten samt Schweigemarsch beginnen um 17.15 Uhr an St. Petri, Bei der Petrikirche 2, in Hamburg. Sie finden bis 14. November jeden Donnerstag statt.

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