Einsichten – die christliche Kolumne

Gesetz und Umkehr

Über rote Ampeln und Polizisten schreibt Gerrit Marx. Er ist promovierter Physiker und Leiter der ökumenischen Arbeitsstelle im Kirchenkreis Pommern.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ aus Johannes 8 , 3-11

In unserem Leben treffen wir Vereinbarungen und vertrauen darauf, dass sie eingehalten werden. Als Fußgänger etwa lebe ich im Vertrauen, dass der Autofahrer bei Rot hält. So wie sich der Autofahrer darauf verlässt, dass ich erst bei Grün gehe. Wir halten uns an die Straßenverkehrsordnung, und nur durch das Vertrauen darauf können wir uns überhaupt auf die Straße wagen. So weit die Theorie.

Eines Nachts komme ich mit dem Fahrrad an eine Kreuzung. Die Ampel leuchtet rot, die Straßen wirken leer. Mir klingelt der Satz im Ohr: „Ein Deutscher würde auch mitten in der Wüste an einer roten Ampel halten“ – und schon bin ich drüben. Wenig später werde ich von zwei Polizisten mit einem saftigen Bußgeld belegt. Ich denke: „Wer von euch ohne Schuld ist …“ Aber sie haben ja recht. Ich habe eine Vereinbarung gebrochen. Das muss Konsequenzen haben, damit die Vereinbarung verbindlich bleibt. Oder?

Kleine Dinge

Manchmal geht es schnell, dass man eine Regel ignoriert, sich über eine Vereinbarung hinwegsetzt. Manchmal sind es kleine Dinge, manchmal große, wie im Predigttext aus Johannes 8. Die irritierende Frage, warum bei Ehebruch nur die Frau zur Verantwortung gezogen wird, übergehe ich hier. Es geht um Ehebruch, ums Brechen eines Versprechens und um die Frage, wie wir mit Betretungen umgehen wollen.

Schriftgelehrte fordern die Steinigung der Frau, wie es Mose geboten habe. Jesus aber sagt: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Alle gehen. Es gibt nur einen unten ihnen, der ohne Sünde ist: Jesus selbst. Und er übt Barmherzigkeit. Nicht, indem er sagt: „Na ja, war nicht so schlimm“. Er relativiert nichts, aber er traut der Frau zu, dass sie sich ändert. Das Gesetz lehrt uns, was gut und schlecht ist. Jesus lehrt uns, dass wir auf schlechtem Weg nicht verloren sind. Er hält uns eine gute Zukunft offen, statt sie uns mit Steinen zu verbauen. Davon könnten die Polizisten doch lernen.

Unser Autor
Gerrit Marx ist promovierter Physiker und Leiter der ökumenischen Arbeitsstelle im Kirchenkreis Pommern.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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