Einsichten – die christliche Kolumne

Genau so!

Über Barmherzigkeit schreibt Ulrike Kirschstein. Sie ist Pastorin in Norden (Ostfriesland).

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Seid barmherzig. Richtet nicht. Verdammt nicht. Vergebt. Gebt.“ aus Lukas 6, 20-49

„Wenn wir Jesus glauben: ‚Was ihr dem geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan‘, dann ist für uns Lebenretten kein Verbrechen, sondern Christenpflicht. Man lässt keine Menschen ertrinken! Punkt!“ Danke, Sandra Bils, für diese Worte! Seit der Predigt beim Kirchentag ist es wieder öffentlich möglich, deutlich was zu sagen. In der neuen Lutherbibel heißt es: „Seid barmherzig“ – „Richtet nicht.“ – „Verdammt nicht.“ – „Vergebt.“ – „Gebt.“ – So, genau so, geht man mit seinen Mitmenschen um!

Es passt auch zu diesem Sprichwort, das wir gut kennen: „Man sieht sich im Leben immer zweimal.“ Naja, wer weiß nicht, wie gut es ist, wenn das Gegenüber von der Erstbegegnung her eine positive Erinnerung hat. Da kann ich dann anknüpfen. Da ist eine gute Basis. Da ist ein offener Blick, ein offenes Feld…

Lukas ist der Theologe der Heilsgeschichte. Jesu Geburt hat er in die Weltgeschichte gestellt, die Heilsgeschichte mit der römischen Geschichte verknüpft.

Gottes Heilsplan in der Geschichte heute zu sehen, fällt uns oft schwer. Warum diese schrecklichen Vergehen, Gewalttaten, Morde? Warum dieser Hunger, diese Menschen, die vor unseren Augen ertrinken…? Die Fragen prallen auf uns hernieder. Und doch: „Euch ist der Heiland geboren!“ Das hat die Geschichte der Welt verändert. Das hat die Menschen verändert. Unser menschliches Verhältnis zu Gott hat sich durch die Geburt des Heilandes verändert. So viel Barmherzigkeit ist ausgeschüttet! So viel Vergebung! So viel Hilfsbereitschaft! So viel Mitmenschliches! Was wäre die Welt ohne diesen Heiland? Er hat sie vorgemacht, die Barmherzigkeit und Vergebung.

Und jetzt lesen wir wieder davon, weil Lukas es weiter gegeben hat. Diese Worte spricht Jesus auf einem offenen Feld, die so genannte Feldrede. Ich stelle mir vor, dass wir jederzeit dazu treten können. Die Seiten des Feldes sind, wie gesagt, offen – auch für uns. Wir sind immer wieder eingeladen, aufgefordert, darauf gestoßen: Jawohl, so macht es miteinander! So ist es gut!

Unsere Autorin
Ulrike Kirschstein ist Pastorin in der Ludgeri-Kirchengemeinde in Norden (Ostfriesland).

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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