Mahnwache in Hannover

Gemeinsam gegen Verschwörungsmythen

Mitten in der City haben etwa 2400 Menschen demonstriert. "Diese Gesellschaft ist nicht gespalten", rief Regionalbischöfin Petra Bahr den Menschen zu. Es gebe lediglich Spalter am Rand.

Zur Mahnwache war der Opernplatz voll besetzt

Hannover. Mit einer Mahnwache haben nach Polizeiangaben rund 2.400 Menschen an die Opfer der Corona-Pandemie erinnert und gegen Verschwörungsmythen protestiert. Die Teilnehmenden verteilten sich mit Masken und Abstand auf dem gesamten Opernplatz. Wegen des Andrangs sperrte die Polizei auch die anliegende Georgstraße. Viele Parteien und Verbände erhoben bei der Kundgebung ihre Flaggen. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) besuchte die Mahnwache.

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) sagte, Corona sei die häufigste Todesursache in Europa. Schutzimpfungen gegen das Virus seien unverzichtbar. Die Gesellschaft müsse sich ernsthaft Sorgen machen, wenn Menschen den Bezug zur Realität verlören und sogenannten alternativen Fakten mehr Glauben schenkten als der Wissenschaft. Kritik an Corona sei legitim, müsse aber auf Fakten beruhen: „Meinungen müssen und können wir aushalten, falsche Fakten allerdings nicht.“

Kein Verständnis für Gewalt und Hass

Hannovers Regionalbischöfin Petra Bahr betonte: „Diese Gesellschaft ist nicht gespalten. Es gibt Spalter am Rand.“ Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Mahnwache hätten sich stellvertretend auch für die vielen Menschen versammelt, die von der Pandemie besonders betroffen seien oder sich für deren Bekämpfung einsetzten. Wer zu Gewalt aufrufe, Menschen mit dem Tod bedrohe und antidemokratische oder antisemitische Verschwörungsmythen verbreite, dürfe keine Macht haben. Bahr ist auch Mitglied des Deutschen Ethikrats.

Steffen Krach (SPD), Präsident der Region Hannover, verwies auf die besondere Belastung von Kindern und alten Menschen sowie auf die Folgen von Corona-Todesfällen und Besuchsverboten in Pflegeeinrichtungen. „Diese Folgen werden wir noch viele Jahre spüren“, sagte er. Er habe Verständnis für alle, die am Ende ihrer Kräfte seien – aber nicht für Gewalt und Hass. Nicole Trumpetter, Ausbildungsleiterin des Pflegeschulzentrums bei evangelischen Gesundheitskonzern Diakovere, verwies auf die enorme Belastung von Pflegekräften während der Pandemie.

„Bunt statt braun“

Zu der Mahnwache hatte ein Bündnis verschiedener Organisationen in Hannover aufgerufen. Dazu gehören die Landeskirche Hannovers, der Freundeskreis Hannover, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und das Bündnis „bunt statt braun“. (epd)

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