Marktkirche in Hannover

Gemeindeversammlung spricht sich für Reformationsfenster aus

Der Streit um das von Altkanzler Schröder gestiftete Fenster geht weiter. Jetzt hat sich die Gemeinde für den Einbau ausgesprochen, wartet aber noch auf ein Gerichtsurteil.

So sieht das Fenster im Entwurf aus (Archivbild)

Hannover. Der Kirchenvorstand der hannoverschen Marktkirche will weiterhin das von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) gestiftete Reformationsfenster einbauen lassen. Auf der jährlichen Gemeindeversammlung habe sich eine Mehrheit für die Installation des umstrittenen Fensters ausgesprochen, sagte die Moderatorin der Versammlung, Thela Wernstedt, im Anschluss. „Die Versammlung war von dem Wunsch getragen, dass wir miteinander auf dem Weg bleiben“, ergänzte Marktkirchenpastor Marc Blessing.

Bei der Versammlung seien Befürworter und Gegner zu Wort gekommen. Einen formellen Beschluss für oder gegen das Fenster habe die Versammlung jedoch nicht gefasst, weil dafür nicht genug Gemeindemitglieder anwesend waren. Auch Gegner hätten das Fenster des Künstlers Markus Lüpertz auf der Versammlung „nicht auf Biegen und Brechen verhindern“ wollen, betonte Blessing.

„Wir sind mit uns im Reinen“

Die zugrundeliegende Entscheidung des Kirchenvorstands verteidigte dessen Vorsitzender Martin Germeroth: „Im öffentlichen Raum ist das Fenster breit diskutiert worden, wir sind da mit uns im Reinen.“ Er verwies auf fünf Diskussionsveranstaltungen, die die Gemeinde im Jahr 2018 angeboten hatte. Der Kirchenvorstand nehme aus der Versammlung jedoch Impulse mit, wie das Fenster auch künftig kritisch diskutiert werden könne.


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Kritiker hatten sich auch außerhalb der Gemeinde zu einer Initiative gegen den Einbau zusammengeschlossen und eine entsprechende Petition gestartet. An der Versammlung durften nur Gemeindemitglieder teilnehmen. Die Kritiker sahen sich von der Versammlung ausgeschlossen.

Vor dem Einbau möchte die Gemeinde laut Germeroth noch den Gerichtsprozess abwarten, bei dem der Architekten-Erbe Georg Bissen gegen den Einbau des Fensters vorgeht. In erster Instanz war Bissen damit vor dem Landgericht Hannover gescheitert, am 30. November verhandelt das Oberlandesgericht Celle den Fall. Bissens Stiefvater Dieter Oesterlen (1911-1994) hatte die im Krieg zerstörte Marktkirche nach 1946 wiederaufgebaut und neugestaltet.

Diskussion um schwarze Fliegen

Das Fenster zeigt eine weiße Figur, die den Reformator Martin Luther darstellen soll, sowie weitere Motive mit Bezug zur Reformation. Für kontroverse Diskussionen sorgen fünf große schwarze Fliegen, die für das Böse und die Vergänglichkeit stehen. Das Kunstwerk wurde von der Glasmanufaktur Derix in Taunusstein (Hessen) bereits fertiggestellt. Die Kosten werden auf rund 150.000 Euro geschätzt. Anlass für Schröders Geschenk war das Reformationsjubiläum 2017. (epd)

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