Nach langem Streit

Gemeinde weiht umgestaltete „Hakenkreuz-Glocke“ ein 

Früher hatte sie ein Hakenkreuz, nun haben Künstler die Glocke in Schweringen umgestaltet – mithilfe eines Wortes aus dem Matthäusevangelium.

Regionalbischöfin Petra Bahr und Superintendent Martin Lechler (Kirchenkreis Nienburg) vor dem Mahnmal

Schweringen/Kr. Nienburg. Anderthalb Jahre nach ihrer Entwidmung ist am Pfingstsonntag in Schweringen bei Nienburg eine frühere „Hakenkreuzglocke“ als Mahnmal wieder eingeweiht worden. Die Bronzeglocke in der dortigen Kreuzkirche war im November 2018 nach einem heftigen Streit in dem 800-Einwohner-Dorf stillgelegt und von zwei Künstlern aus Nürnberg umgestaltet worden. Die evangelische Regionalbischöfin Petra Bahr übergab sie mit einer kleinen Feier neu ihrer Bestimmung. Wegen der Corona-Pandemie fand die Feier in nichtöffentlichem Rahmen statt.

Die rund 1.800 Kilogramm schwere „Vaterlandsglocke“ aus dem Jahr 1934 war im Herbst 2017 in die Schlagzeilen geraten, nachdem die hannoversche Landeskirche dort bei Nachforschungen ein eingegossenes Hakenkreuz entdeckt hatte. Danach kam es im Dorf zu einer heftigen Kontroverse darüber, ob die Glocke weiter läuten oder ausgetauscht werden sollte. Die Landeskirche bot einen Austausch an. Kurz vor Ostern 2018 stiegen Unbekannte unbemerkt auf den Kirchturm und frästen das 35 mal 35 Zentimeter große Hakenkreuz und Teile einer NS-Inschrift mit einem Winkelschleifer weg.

So sieht die Glocke heute aus Foto: Fabian Gartmann

Die Nürnberger Künstler Hannes Arnold und Klaus-Dieter Eichler haben auf dem heute beschädigten Glockenkörper inzwischen einen warnenden Bibelvers angebracht, der sich wie eine Schärpe quer über das Metall zieht. Zudem enthüllen sie am Fuße des Kirchturms ein Kunstwerk, das Besucher an die Geschichte der Glocke erinnern soll. Für die künstlerische Umgestaltung investierte die hannoversche Landeskirche rund 30.000 Euro.

Keine neue Deko-Schicht

Regionalbischöfin Bahr betonte, die kritische Beschäftigung mit der Glocke sei langwierig aber notwendig gewesen. „Die alte Glocke ist verwandelt. Sie ist eine Beziehung mit dem Mahnmal vor der Tür eingegangen. Nun kann jeder sehen, dass diese Glocke eine Geschichte hat“, sagte die Theologin. „Der Schriftzug legt sich über die Spuren des weggeflexten Hakenkreuzes, ohne diese Spuren verschwinden zu lassen. Keine neue Deko-Schicht, die sich über die Geschichte legt, sondern ein Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium.“ Die Glocke läute wieder. Sie trage schwer am Gewicht ihrer Geschichte, aber das Wort Jesu lasse sie leicht werden.

Eine weitere niedersächsische „Hakenkreuzglocke“ war 2017 in Faßberg bei Celle entdeckt worden. Sie wurde inzwischen ausgetauscht. Schlagzeilen machte auch eine mit Nazi-Symbolen ausgestattete Glocke im pfälzischen Herxheim am Berg. Zudem tauchten vier weitere „Nazi-Glocken“ in evangelischen Kirchen in der Pfalz auf, dazu zwei in Berlin und eine in Saarland. (epd)

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