Einsichten – die christliche Kolumne

Geliebte Geschöpfe Gottes

Über Sehnsüchte in der Pandemie und die Nähe des Herrn schreibt Elke Rathert. Sie ist Pfarrerin in der Krankenhausseelsorge der Landeskirche Braunschweig.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ aus Johannes 7, 37-39

Der irdische, der auferstandene Jesus – er ist weg. Was bleibt? Wut, Verzweiflung, große Traurigkeit und Schmerz, dass er mir genommen ist. Er, zu dem ich durstig komme und trinken kann. Jesus kann jeden Durst stillen. Aber ich kann ihm nicht mehr unmittelbar begegnen. Dabei bin ich durstig. So gern möchte ich ihn handeln sehen und sprechen hören. In seinen klaren und kraftvollen Worten, die eine neue Wirklichkeit schaffen. Dass Gott uns tatsächlich liebt und uns behutsam begegnen will.

Und wie wir wiederum unserem Gegenüber begegnen sollen. Den Armen sollen wir helfen, die Rechtlosen schützen und nicht zuletzt die Kranken heilen. Ja, Jesus konnte die Kranken heilen.

Die Sehnsucht brennt im Herzen, viele sind durstig, sehnen sich nach ihrem Leben, wie es vor der Corona-Krise war, nach Zusammensein und Nähe. Andere sehnen sich nach einem guten Wort, einer zärtlichen Berührung, einem Stückchen guten Lebens trotz und gerade in einer Krankheit oder einer Krise, die sie getroffen hat. Mancher sehnt sich, Gott ganz nah zu sein, sich von ihm geborgen und behütet zu wissen, Gottes liebevollen Blick auf mir zu spüren. Zu wissen, in seinen Augen bin ich schön, bin ich gut, so wie ich bin.

Ströme lebendigen Wassers

Ein anderer sehnt sich, an Leib und Seele gesund zu sein. Jesus ist weg, aber er verspricht uns den Heiligen Geist. Sicher, der weht, wann und wo er will. Und wichtig ist, dass wir die Geister unterscheiden. Der, der nicht von der Liebe zeugt, ein solcher Geist ist nicht Gottes Geist.

Und doch geschieht es, dass wir Menschen treffen, von denen der Heilige Geist Ströme lebendigen Wassers fließen lässt, das unseren Durst stillt. Hier ist Brot und Wasser für meinen Körper, hier ist Balsam und Nahrung für meine Seele. Hier hört mir einer zu, nimmt meine Sorgen ernst, hat Hoffnung für mich. Hier darf ich sein, wie ich bin. Hier bin ich ein geliebtes Geschöpf Gottes. Das bleibt.

Unsere Autorin
Elke Rathert ist Pfarrerin in der Krankenhausseelsorge der Landeskirche Braunschweig.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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