Bilanz zum Holocaust-Gedenktag

Gedenkstätten für NS-Opfer auch 2015 gefragt

Wegen der Feierlichkeiten zu 70 Jahren Kriegsende kamen 2015 mehr Besucher. Auch der Besuch eines weltbekannten Prominenten half.

Das Jüdische Denkmal der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Bergen-Belsen/Bremen. Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stoßen KZ-Gedenkstätten und andere Mahnorte an den Nationalsozialismus weiterhin auf großes Interesse. Für das Jahr 2015, in dem mit vielen Veranstaltungen an das Kriegsende im Jahr 1945 erinnert worden war, melden viele deutsche und auch die niedersächsischen Gedenkstätten im Vergleich zum Vorjahr leicht steigende oder gleichbleibende Besucherzahlen. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) zum bevorstehenden Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.
Allein die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen bei Celle besuchten im vergangenen Jahr rund eine 250.000 Menschen aus dem In- und Ausland. Weitere zentrale niedersächsische Gedenkstätten zählten insgesamt mehrere Zehntausend Gäste. Auch in der vom Bund unterstützten Bremer Gedenkstätte "U-Boot-Bunker Valentin" stiegen die Besucherzahlen.

Mehr Besucher in Esterwegen

Die Gedenk- und Dokumentationsstätte für das ehemalige Konzentrationslager Esterwegen im Emsland verzeichnete mit rund 27.000 Gästen eine Steigerung von mehr als 1.000 gegenüber dem Vorjahr. Mit rund 12.000 Besuchern konnte die Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen NS-Kriegsgefangenenlagers Sandbostel bei Rotenburg/Wümme 2015 die Zahl des Vorjahres fast halten. Hinzu kommen vielerorts Teilnehmer von Führungen. So werden in Bergen-Belsen jährlich fast 1.200 organisierte Rundgänge veranstaltet. Rund 100 Gruppen haben sich durch die Gedenkstätte in Moringen bei Northeim und die drei früheren Moringer KZs für Frauen, Männer und männliche Jugendliche führen lassen.
Die Zahl der Besucher in der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau bei München blieb mit rund 800.000 gleich. In Buchenwald und Mittelbau-Dora in Thüringen wurden wie im Vorjahr zusammen rund 560.000 Besucher aus aller Welt gezählt.

Queen in Bergen-Belsen

Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz in Polen befreit. Seit 1996 wird zu diesem Datum der Holocaust-Gedenktag begangen. In Deutschland gibt es Dutzende KZ-Gedenkstätten, hinzu kommen viele weitere Erinnerungsstätten für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Rund sechs Millionen europäische Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Verfolgt und in großer Zahl getötet wurden auch Regimegegner, überzeugte Christen, Sinti und Roma und Homosexuelle.
"Einige Gedenkstätten wie Esterwegen und Sandbostel wurden in den vergangenen Jahren neu konzipiert", sagte der Leiter der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner. "Das hat für steigendes Interesse gesorgt." In Bergen-Belsen haben nach Angaben von Gedenkstätten-Sprecherin Stephanie Billib der Besuch der englischen Königin Elisabeth II. und der 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers im vergangenen Jahr zu einem leichten Besucherzuwachs beigetragen.

Neue Gedenkstätte bei Bremen

Neu eröffnet hat im November die Gedenkstätte im U-Boot-Bunker Valentin in Bremen. Der Betonklotz, in dem U-Boote montiert werden sollten, wurde von bis zu 12.000 Zwangsarbeitern erbaut. Er ist aber nie fertig geworden. Im vergangenen Jahr hätten 7.800 Menschen den Bunker besucht, 1.300 mehr als 2014, sagte der wissenschaftliche Leiter der Gedenkstätte, Marcus Meyer.
Rund 8.000 Menschen kamen im ersten vollen Ausstellungsjahr in die im Sommer 2014 eröffnete jüdische Gedenkstätte Hannover-Ahlem. Weiter ausgebaut wird die Gedenkstätte für das ehemalige NS-Arbeitslager "Augustaschacht" in Hasbergen bei Osnabrück. Die NS-Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel soll bis 2018 durch einen Museumsneubau ergänzt werden. (epd)

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