Friedensgebete für die Ukraine

Gebete für den Frieden

Auf den Krieg in der Ukraine reagierte auch die Kirchengemeinde Eimsbüttel mit einem Friedensgebet. Es wird gebetet, diskutiert und bringt unterschiedlichste Menschen zusammen. Über ein Format, das sich im Laufe der Zeit bewährt hat.

Die Kirchengemeinde Eimsbüttel veranstaltet regelmäßig Friedensgebete für die Ukraine.

von Johanna Tyrell

Hamburg. Als Politologe Paul Steffen und die Pastorin Melanie Kirschstein im Frühjahr mit den Friedensgebeten an der Eimsbüttler Christuskirche begannen, seien immer wieder Tränen geflossen, erinnert sich Steffen. Viele Menschen seien sprachlos gewesen, hätten nicht gewusst, wie sie darüber reden sollen. Wo sie sich in dem Konflikt verorten sollen. Inzwischen käme immer häufiger die Feststellung: „Ich kann es nicht ertragen, dass wir uns so an den Krieg gewöhnt haben.“

Die Kirchengemeinde in Eimsbüttel ist damit nicht allein

In vielen Kirchen im Norden wurde in den vergangenen Monaten für das Ende des Krieges gebetet, den Russland seit Ende Februar in der Ukraine führt. „Beim Beten geht es nicht nur um das Anliegen, sondern auch um mich selbst“, sagt Julika Koch. Die Historikerin ist Referentin für Friedensbildung der Nordkirche. Gerade die Friedensgebete seien eine Möglichkeit, aus der Ohnmacht zu kommen und etwas zu tun. „Ich verbinde mich mit dem Thema, mit den Menschen, die mit mir beten, und mit Gott.“

Besonders die Regelmäßigkeit sei dabei wichtig, so Koch. Nicht nur für viele Menschen, die derzeit die Friedensgebete besuchten. „Auch für die Menschen am Ort des Krieges ist es wichtig zu wissen: wir sind nicht vergessen.“ Ob das jedoch in Form eines Friedensgebetes, Fürbitten oder Glockenläuten stattfindet, das sei von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Friedensarbeit ist ganz unterschiedlich. Koch erzählt von Gemeinden, die seit dem Irakkrieg regelmäßig für den Frieden beten.

Unterschiedlichen Voraussetzungen bergen Konfliktpotenzial

Doch durch die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise wirkt sich der Krieg in der Ukraine inzwischen auch auf den Alltag in Deutschland aus. Kritik wird lauter. Wie sollen Kirchengemeinden damit umgehen? „Der Einsatz für den Frieden ist auch immer die Frage danach: Was bin ich bereit, für den Frieden einzusetzen, jetzt und in Zukunft“, sagt Friedensreferentin Julika Koch. Doch die gesellschaftlichen Voraussetzungen seien da unterschiedlich. Während beispielsweise für die einen die Erhöhung der Energie- und Lebenshaltungskosten zwar unangenehm, aber finanziell zu leisten ist, bringen steigende Kosten andere Menschen in Existenznöte.

Diese unterschiedlichen Voraussetzungen haben Konfliktpotenzial. Zum dialogischen Friedensgebet in Eimsbüttel kommen noch immer bis zu 20 Menschen. Mal mehr, mal weniger. „Die Gebete sind ein Prozess. Wir geben nichts vor. Es verändert sich je nach Publikum“, sagt Steffen. So kann es sein, dass ein Gebet von viel Ruhe und Musik geprägt ist, aber auch, dass es zu kontroversen Diskussionen kommt.

Es braucht nicht viel

„Es ist eine Gemeinschaft aus Menschen, die sich nicht kennen, die aber sofort funktioniert“, sagt Steffen. Obdachlose fügten sich genauso in den Dialog ein wie Gemeindemitglieder, Anwohner oder Menschen, die in ihrem Alltag sonst nicht viele Berührungspunkte mit Kirche haben. Die Musik, die Kerzen, der Raum: „Es braucht gar nicht so viel“, sagt Steffen. Im Anschluss an das Gebet habe es sich so eingebürgert, dass man in der Küche der Gemeinde bei Brot und einem Glas Wein zusammen sitzt.

„Ich möchte mich dort nicht hinstellen und über Frieden referieren“, sagt Steffen. Expertenveranstaltungen seien gut und wichtig. Genauso wichtig sei aber auch, für sich selbst zu klären: „Was treibt mich selber um?“ Und aus der eigenen Dauerangst herauszukommen. „Ich sehe unsere Aufgabe als Kirche auch darin, dass wir uns gegenseitig stärken, um auch an schweren Themen dranzubleiben, ohne selbst Schaden daran zu nehmen“, sagt Steffen.

Das nächste Friedensgebet in der Christuskirche Eimsbüttel findet am Dienstag, 13. September, um 20 Uhr statt.

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