Fotoausstellung von Walter Green im Volkskundemuseum Schwerin

Geadelt durch Benutzung

In diesem Jahr wird das Volkskundemuseum in Schwerin Mueß 50 Jahre alt. Gefeiert werden kann nicht, aber eine Sonderausstellung zeigt „Vergessene Dinge“.

von Marion Wulf-Nixdorf

Schwerin Mueß. Der Schleswig-Holsteiner Walter Green, der seit 1999 in Klein Rünz bei Rehna lebt und arbeitet, ist eher als Bildhauer bekannt. In seinen Ausstellungen wird der Besucher stets aufgefordert: „Bitte berühren!“. Aber er ist auch ein begnadeter Fotograf, was er in einer Sonderausstellung im Freilichtmuseum in Schwerin-Mueß unter Beweis stellt. „Vergessene Dinge – verwahrt im Volkskundemuseum Mueß“ heißt die Ausstellung.

Melkschemel, Schmiedezangen, Schleifsteinkurbel, Drehbutterfass, Webstuhl, Löscheimer, Stiefelknecht, Hauklotz mit Beil … Dinge, die in längst vergangenen Tagen tägliche Begleiter auf dem Land waren, rückt er neu in den Blick. Bei dem Hauklotz mit Beil denkt der ältere Betrachter vielleicht an die Großmutter, die dem Huhn den Kopf abschlug, beim Stiefelknecht vielleicht an den Großvater, der sich nach getaner Arbeit vom Kind helfen ließ, die Stiefel auszuziehen. Eine Reise in die Vergangenheit.

Den Dingen staunend gegenüber

Walter Green, Jahrgang 1952, hat lange im Freilichtmuseum fotografiert. Er schreibt: „Schließt sich hinter mir die Tür der Schmiede oder die Schluderdöör des Hirtenkatens im Volkskundemuseum Mueß, stehe ich den vergessenen Dingen still und staunend gegenüber. Alle sind sie älter als ich und geadelt durch tägliche Benutzung. In diesem Moment des Sich-Gegenüberstehens, des Betrachtens, greifen sie mich, verwandeln mich, nehmen mich mit in ihr gelebtes fleißiges Leben.“ Das sei kein anderer Vorgang, als bei der bildhauerischen Bearbeitung von alten Eichenbalken: „Was kannst Du, was kann ich, was erzählst Du mir aus Deinem Leben und was verstehe ich davon mit meiner Biografie?“

Green gesteht, dass er zunächst versucht hatte, die verstaubten Schmiedehämmer mit einem weichen Ziegenhaarpinsel zu säubern. Aber der Anblick sei nicht echt gewesen, sondern „mein persönlicher, unmaßgeblicher Wunsch“. Die vergessenen Dinge seien nun mal verstaubt und versponnen. Er sei nicht Produktfotograf, um die vergessenen Dinge „in aseptischer Beleuchtung maximal aufdringlich darzustellen“. Deshalb befänden sich „die Dinge nicht vollständig im Bild, sondern nur in grafischen Momenten – beleuchtet mit einem sanften Streiflicht des Verstehens“.

Info
Die Sonderausstellung „Vergessene Dinge“ ist im Volkskunde­museum in Mueß bis zum 31. Oktober zu sehen; dienstags bis sonntags bis 30. September von 10 bis 18 Uhr und vom 1. bis 31. Oktober von 10 bis 17 Uhr.

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