Nach dem Koppelsberg steht jetzt das „Haus Kranich“ auf dem Prüfstand

Für Tagungshäuser wird es eng

Zinnowitz. „Früher hatten wir zwei Schlafsäle und eine Veranda zum Zusammensitzen“, erzählt ein alter Mecklenburger über seine Konfi-Fahrt. „Ein Waschbecken war drüben im Pfarrhaus. Aber von der Veranda aus haben wir die Welt bewegt.“ Heute verlangen auch evangelische Gruppen einen höheren Standard und zwingen die kirchlichen Jugend- und Tagungshäuser so zum ständigen Modernisieren.

von Carsten Splitt, Christine Senkbeil

Jüngstes Opfer im Wettlauf um Wirtschaftlichkeit ist das Zinnowitzer „Haus Kranich“ auf der Ostseeinsel Usedom. Trotz 8000 Übernachtungen im Jahr 2013 steht das vom Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis betriebene Haus jetzt auf dem Prüfstand. „Wir wissen, dass es einen riesigen Investitionsstau gibt und sehen die Möglichkeiten nicht, diesen abzubauen“, sagt Propst Gerd Panknin aus Demmin. Die Kirchenkreissynode soll nun entscheiden, ob der Kirchenkreis das Haus in der Form behalten wird oder sich davon trennt.

„Sorgenfreie“ Zeiten für Tagungshäuser vorbei

Das „Haus Kranich“ war 1985 bis 1988 als Erholungsheim „Sorgenfrei“ erbaut worden. Nach seiner Einweihung wurde es zunächst vom Wichernverein betrieben und kam Mitte der 90er als „Haus Kranich“ zur Pommerschen Landeskirche. Der Kirchenkreis Pommern lös-te es 2012 für rund eine Million Euro von der Nordkirche ab. 
„Die Gemeinden wollen das Haus gar nicht“, berichtet die Stralsunder Pröpstin Helga Ruch. Eine Umfrage unter 70 Gemeinden des Kirchenkreises hätte gerade einmal 13 Rückmeldungen erhalten. „Letzten Endes konnte uns keiner erklären, warum wir dieses Haus eigentlich brauchen“, sagt das Kreiskirchenratsmitglied. Hausleiterin Petra Klatt verweist dagegen auf vorliegende Buchungen bis 2015.

Probleme auch auf dem Koppelsberg

In Probleme war zuletzt auch die „Evangelische Jugend-, Freizeit- und Bildungsstätte Koppelsberg“ bei Plön geraten. Die Nordkirche musste in den vergangenen Jahren ein Defizit von 600 000 Euro pro Jahr ausgleichen. Zum 1. April übernimmt die Vorwerker Diakonie das finanziell angeschlagene Haus. Nach Angaben ihres Geschäftsführers Fred Mente will sie in etwa zehn Jahren einen kostendeckenden Betrieb erreichen. Von der Nordkirche erhält die Vorwerker Diakonie dafür eine Unterstützung von 2,5 Millionen Euro. 
An einen privaten Investor verkauft wurde kürzlich das Christophorushaus in Rendsburg, in dem die Nordelbische Synode bis zu ihrer Auflösung getagt hatte.