Diskussion auf Synode

Für die Kirche Hannovers soll die Zukunft bald beginnen

Was tun bei massenhaften Kirchenaustritten? Und wie mit knappen Finanzen umgehen? Die hannoversche Landeskirche will dafür einen "Zukunftsprozess" auf den Weg bringen.

Blick in die Glaskugel: Wie sieht die Kirche in Hannover in Zukunft aus?

von Daniel Behrendt

Hannover. Mit einem mehrjährigen Zukunftsprozess will sich die hannoversche Landeskirche auf kommende Herausforderungen wie Mitglieder- und Einnahmerückgänge sowie den gesellschaftlichen Wandel und neue Zielgruppen einstellen. Die Landessynode hat ein erstes Konzept diskutiert, das Umfang und Vorgehensweise des Projekts klären soll. Der eigentliche Zukunftsprozess soll durch das Kirchenparlament nach weiteren Beratungen voraussichtlich im November beschlossen werden.

Das bisherige Konzept beschreibt das Projekt als einen „nachhaltigen und lernenden Prozess“, der laufende und vergangene Innovationsprozesse bündeln und Akteure auf allen Ebenen der Landeskirche zusammenbringen will. Zudem sollen die Erfahrungen anderer Kirchen mit Modernisierungsprozessen sowie die Perspektiven außerkirchlicher Gruppen und Lebenswelten einbezogen werden.

Workshops in Planung

Vorgesehen sind unter anderem sogenannte Erkundungsworkshops, die allen Interessierten in der Landeskirche offenstehen. Darin sollen zum einen konkrete Probleme und Anliegen in der täglichen kirchlichen Arbeit gesammelt und diskutiert werden. Zum anderen sollen „Ideen, Visionen, Erfahrungen und Leidenschaften“ eingebracht werden, die dazu beitragen sollen, kirchliches Handeln langfristig weiterzuentwickeln.


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Verschiedene Gremien, darunter ein Koordinierungsrat, sollen den Prozess steuern. Zwischenergebnisse sollen auf einer digitalen Plattform geteilt und zugänglich gemacht werden. Laut Konzept ist der Zukunftsprozess bislang mit rund 475.000 Euro für Personal- und Betriebskosten sowie Projektmitteln von rund einer Million Euro veranschlagt.

Der Synodale Roger Cericius betonte bei der Vorstellung des Konzepts, dass es gerade angesichts schwindender Ressourcen nicht darum gehen dürfe, „zu tun, was getan werden muss, sondern zu tun, was wir tun wollen“. Er wünsche sich, in 20 Jahren auf eine einen erfolgreichen Zukunftsprozess und eine zukunftsfähige Kirche schauen zu können. „Und ich möchte dann sagen können, dass wir in schwierigen Zeiten viel investiert haben: Mut, Zeit, Ressourcen, Glauben und Gottvertrauen.“

Gunst der Stunde

In der Aussprache unterstrich Jörn Surborg, Vorsitzender des Landessynodalausschusses, dass das Konzept vor einer abschließenden Entscheidung angesichts mehrjähriger Laufzeit, hoher Kosten und inhaltlicher Unklarheiten weiterer Beratung bedürfe. „Ein solcher Prozess benötigt die Begeisterten ebenso wie die Zögerlichen, um breite Akzeptanz zu finden.“

Die Synodale Maike Selmayr wandte ein, dass eine „erneute Beratungs- und Bedenkschleife“ dazu führen könnte, die „Gunst der Stunde zu verpassen“. Der Projektausschuss haben mit „viel Engagement und Herzblut“ fast ein halbes Jahr Arbeit „in ein bewusst sehr offen gehaltenes, partizipatives Konzept investiert“, nun sei Mut gefragt, dieses Konzept mitzutragen.

Auch Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamtes, warb für Vertrauen in den Zukunftsprozess und betonte, dass Beratungen zwar wichtig seien, „wir aber auch ins Tun kommen müssen“. (epd)

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