Auftakt zur EKD-Synode

Frieden suchen in schwieriger Zeit

Die evangelische Kirche sucht in Dresden Antworten auf Fragen der Gegenwart: Wie kann Frieden in der Welt werden? Wie lässt sich Hass in der Gesellschaft stoppen? Wie sollte die Kirche auf sinkende Mitgliedszahlen reagieren?

Holger Milkau, Pfarrer der Kreuzkirche, erteilt den Segen beim Eröffnungsgottesdienst der EKD-Synode

von Franziska Hein

Dresden. Es sind keine einfachen Zeiten, in denen die Vertreter der evangelischen Kirche in Dresden zusammenkommen. Der Krieg in Syrien, der Anschlag auf die Synagoge in Halle, der Rücktritt des sächsischen Landesbischofs Carsten Rentzing wegen nationalistischer Äußerungen in dessen Studentenzeit: Wo auch immer die Kirche im Äußeren und Inneren hinblickt, sieht sie Konflikte.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, führt am Sonntag in die diesjährige Jahrestagung der Protestanten in Deutschland zum Schwerpunktthema Friedensethik ein: In einer Zeit, in der zahlreiche kriegerische Konflikte weltweit die Hoffnung auf friedlichere Zeiten in die Ferne haben rücken lassen, trifft sich die Synode der EKD in einer Stadt, die selbst für Zerstörung und Wiederaufbau steht. Und sie kommt einen Tag nach dem 9. November zusammen – einem Tag des Gedenkens, nicht nur an die friedliche Revolution und den Mauerfall, sondern auch an die Ermordung von Millionen Juden.

Lob für kirchliches Netzwerk

Vom Tagungszentrum ist es nicht weit bis zur evangelischen Frauenkirche, die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mit Hilfe privater Spenden wiederaufgebaut wurde. Gerade die ostdeutschen Landeskirchen hätten ihm in den vergangenen Monaten Hoffnung „für eine aus dem Vertrauen lebende, ausstrahlungsstarke Kirche der Zukunft“ gegeben, sagt Bedford-Strohm vor der Synode in seinem Bericht. Sie sind schon jetzt stärker als andere Landeskirchen im Westen vom Strukturwandel betroffen, der die Kirche als Ganzes betrifft, und doch lassen sich laut Bedford-Strohm viele Beispiele dafür finden, wie sich Gemeinden nicht aus der Wahrnehmung der Öffentlichkeit verdrängen lassen.

Der Ratsvorsitzende lobt etwa das kirchliche Netzwerk nach dem Anschlag in Halle. Der Landesbischof der mitteldeutschen Kirche, Friedrich Kramer, hatte seine Bischofskollegen alarmiert und Menschenketten initiiert, die sich am Freitag nach dem Anschlag vor Synagogen in ganz Deutschland bildeten.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm Foto: Heike Lyding / epd

Kirche muss sichtbar sein, das ist die Überzeugung des Ratsvorsitzenden – und sie müsse sich positionieren, ob es um Klimawandel, Flucht und Migration, Seenotrettung oder das gesellschaftliche Miteinander geht. Nur dann sei Kirche auch attraktiv und möglicherweise wieder anschlussfähig für Menschen, die sich abgewandt haben. Für das geplante Rettungsschiff, das die EKD mit einem Verein der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch zur Verfügung stellen will, habe die evangelische Kirche so viele Spenden- und Unterstützungsangebote erhalten wie noch bei keinem anderen Projekt, erzählt Bedford-Strohm. Er verschweigt aber auch die Kritik nicht, die es von jenen gibt, denen das konkrete Handeln der Kirche anstelle der Staaten der Europäischen Union zu weit geht.

Doch vergeblich habe man bislang immer wieder legale und sichere Zugangswege für Schutzsuchende gefordert. Deswegen sei das Seenotrettungsschiff ein Zeichen zur richtigen Zeit, dafür, dass die Kirche da ist und sich in Liebe für den Nächsten für Leben und Rechte der Schwächsten einsetzt.

Kinder malen Friedensbanner

Eine Kirche, die lebendig ist und sich engagiert, wünscht sich auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Trotz andauernder Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen in Sachsen ist er am Sonntagmorgen im Eröffnungsgottesdienst der Synode in der Dresdener Kreuzkirche erschienen und spricht später ein Grußwort zu den Synodalen. Der Staat lebe von Voraussetzungen, die er alleine nicht schaffen könne, sagt Kretschmer. Er lebe eben nicht nur von Recht und Gesetz, sondern auch von Werten und Normen, für die gerade die Kirchen eintreten und die sie vorleben sollen.

Friedensbanner, gemalt von Kindern und Jugendlichen aus Chemnitz, hatten zuvor im Gottesdienst die Kirche geschmückt. Auf einem steht in großen Lettern „Hass kann man nur durch Liebe überwinden“. Christen fühlen sich angesichts von Feindschaft und Gewalt nicht machtlos, das wird an diesem Tag, an diesem Ort deutlich. Aber auch, dass die Hoffnung auf Frieden unvollendet bleibt: „Verleih‘ uns Frieden gnädiglich!“ Auch dieser Ruf ist an diesem Tag zu hören. (epd)

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