Kultur im Lockdown

Fotokunst, vor die Tür gesetzt

Für die legendäre Kleinkunstkneipe „Lutterbeker“ nahe der Ostsee ist der Lockdown besonders bitter. Hätte doch seit November der 45. Geburtstag gefeiert werden sollen. Aber die Macher lassen sich nicht unterkriegen.

Die Installation lässt sich auch vom eigenen Auto aus wunderbar beobachten

von Kay-Christian Heine

Lutterbek. Die Probsteier Kulturkneipe „Lutterbeker“, gelegen im kleinen Dorf Lutterbek im nördlichen Kreis Plön, ist Anfang November 45 Jahre alt geworden. Bloß bemerkt hat es kaum jemand. Denn wegen der neuerlichen Schließungen aufgrund der Pandemie musste die Inhaberfamilie Marx das längst organisierte Jubiläumsprogramm absagen. „Viva Lutterbeker 45+“ jubelt der Programmtitel. Allein im November hatten sich sechs Künstler angekündigt, um den Geburtstag der Kulturkneipe zu feiern. Das Programm reicht bis in den kommenden Sommer.

Das ist nicht weiter verwunderlich, denn der „Lutterbeker“ gilt vor allem der Kleinkunst- und Kabarettszene als Legende. Bis zu drei Veranstaltungen wöchentlich mit Musik, Theater und Kabarett machen diesen Spielort republikweit zu einer der ersten Adressen. Gerburg Jahnke, Kay Ray, Tim Fischer, Arnulf Rating, Bodo Wartke und viele mehr haben hier ihre Spuren hinterlassen. Einige von ihnen, etwa Ina Müller, haben sich im „Lutterbeker“ die ersten Sporen vor Publikum verdient.

Alles für die Katz – schon wieder

Das November-Programm kündigte so bekannte Künstler wie „Pigor und Eichhorn“ oder die internationalen Blues-Stars Marc Breitfelder und Georg Schroeter an. „Alles wieder für die Katz, genau wie im Frühjahr“, sagt Linn Marx. Der Frust darüber ist ihr anzumerken, und ihrer Mutter Strupp geht es nicht besser.

Fotografin Linn Marx, Tochter der Seniorchefs Strupp und Wolfgang Marx, wollte mit ihrer Foto-Ausstellung „Fragezeichen“ am 4. November einen visuell herausragenden Startpunkt setzen für „Viva Lutterbeker 45+“. „Wir setzen unsere Hoffnung jetzt ganz in die kommenden Monate“, sagt die Fotografin. Vielleicht, hofft sie, könne das Programm ja doch noch starten – später, nach dem Winter. Optimismus allerdings, gesteht sie, falle ihr jetzt nicht ganz leicht. Umso wichtiger ist ihr, dass Kultur trotz der verordneten Schließung von Spielstätten wie dem „Lutterbeker“ nicht unsichtbar bleibt.

Linn Marx Foto: Privat

Deshalb hat Linn Marx eine Videoproduktion mit den Bildern ihrer Ausstellung, einigen Bewegtbildern und einem darunterliegenden Soundtrack der Kieler Band „Strom & Wasser“ nach draußen auf die Straße gebracht. „Wir projizieren die Show durch das straßenseitige Galeriefenster auf eine davor im Freien aufgestellte Leinwand, die aus dem Auto heraus gut vom gegenüberliegenden Parkplatz aus zu sehen ist“, beschreibt Linn ihr „Auto-Kunst-Kino“.

Und weil die Diashow ohne den „Strom & Wasser“-Soundtrack nicht halb so packend wäre, können ihn die Besucher im Auto hören: „Wir übertragen den Ton mit einem schwachen UKW-Sender so nach draußen, dass er über das Autoradio auf dem Parkplatz gerade noch gut zu empfangen ist.“

Welt aus berauschenden Farben

Wenn es nun dunkel wird in Lutterbek, tragen Linn Marx’ Bilder die „Auto-Kunst-Kino“-Besucher fort in eine Welt aus berauschenden Formen und Farben, wie sie nur die Natur erschaffen kann. Die Bilder werfen Fragen nach Zeit, Raum, Licht, Schatten, Lärm, Stille und letztlich nach dem Leben selbst auf. Die Musik von „Strom & Wasser“ ist dabei wie der treibende Pulsschlag einer Welt, deren schöne Seiten Linn Marx hier in berückenden Bildern sichtbar macht. Trotz Corona.

Info
„Auto-Kunst-Kino“ vor der Galerie im „Lutterbeker“, Dorfstraße 11, in Lutterbek, ist täglich nach Einbruch der Dunkelheit zu sehen. Weitere Infos gibt es hier. Die Ausstellung wird mit dem Corona-Nothilfefonds #kulturhilfeSH des Landeskulturverbands Schleswig-Holstein unterstützt.

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