Plattdeutsch-Kurs für Pastoren

För un’s Vadder in’n Himmel

Jeder Pastor an der Küste sollte ein bisschen Platt können, findet Petra Schwaan-Nandke. Deshalb bat die Schauspielerin zum Sprachkurs.

Klönschnack beim Plattdeutsch-Kurs

von Christine Senkbeil

Barth. „Solang du ‚mien‘ und ‚dien‘ nich verwesselst (also ‚mein‘ und ‚dein‘), ist dat all in Ordnung“, sagte ihr Großvater immer. Und auch Petra Schwaan-Nandke macht jedem Mut, einfach los „tau snacken“, auch wenn nicht alles richtig ausgesprochen wird. Die Schauspielerin aus Wilmshagen ist eine waschechte „Plattdütsche“ – und nichts liegt ihr mehr am Herzen, als dass diese Sprache wieder mehr Verbreitung finden möge.
Zwölf Pastoren und andere Kirchenmenschen haben sich für einen Schnellkurs in Sachen Platt um sie versammelt. Zusammen mit Johannes Pilgrim vom Bibelzentrum Barth hatte die Schauspielerin an drei Dienstagen dazu eingeladen. Zum ermutigen, Plattdeutsch in den Sprachgebrauch zu lassen. „Man muss keinen Gottesdienst up Platt halten“, sagt Johannes Pilgrim, „aber vielleicht mit einem Lied anfangen.“

Was "Handy" auf Plattdeutsch heißt

Einige der Teilnehmer sind eingefleischte Platt-Snacker und mit dabei, weil Schwaan-Nandke so hübsche Anregungen parat hat. Es wird viel gelacht im Kreis. Über den „Ackersnacker“ zum Beispiel, das plattdeutsche Wort für Handy. Oder das „Kieck-Schap“, also den Guck-Schrank, auch Fernseher genannt. „Solche Begriffe kann man ja immer mal einbauen, wenn man mit Leuten aus der Gemeinde zu tun hat, die noch Platt sprechen“, sagt Christhardt Wehring, Pastor aus Ahrenshagen fröhlich. „Das schafft eine gute Verbindung.“
Adelheit Tuve versteht alles prima, traut sich allerdings das plattdeutsche Sprechen nicht so zu. „Ich bin mit Plattdeutsch groß geworden, aber meine Eltern wollten, dass ich hochdeutsch spreche“, erzählt sie. Das andere galt als unfein. Plattdeutsche hatten schlechte Noten in Grammatik, und aus dem Mädchen sollte doch mal was werden.
Das wurde es auch, nämlich Pastorin in Velgast. „Ich merke aber, wie ich jetzt reinkomme“, sagt sie. Man muss sich nur trauen.“ Und genau das ist es, was Petra Schwaan-Nandke vermitteln möchte. Natürlich lernt niemand an drei Kurstagen Platt. Aber Lust macht es, mehr zu lernen, und Spaß macht es, dabei zu sein, sagen die Teilnehmer. „Und wenn sich wieder neue Interessenten melden, machen wir das gern nochmal!“

Plattdeutsch – als Kanzelsprache gut geeignet

Im Herbst hatte Schwaan-Nandke alle pommerschen Pastoren angeschrieben, auf eigene Kosten alles organisiert, sogar Kuchen selbst gebacken. „Denn dat Plattdütsche ist so schön!“ Voller Bildhaftigkeit, voller Humor, auch als Kanzelsprache gut geeignet. Das zeigt auch das Vaterunser, dass Pilgrim nun austeilt. „Uns Vadder in‘n Himmel, dien Nam sall heilig blieben“. Und bewahr vor allem eines, wenn es nach Schwaan-Nandke geht: „Dat Plattdütsch!“.

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