Tierheim in Not

Fehlendes Personal beim Hamburger Tierschutzverein

Der HTV sucht dringend Personal, besonders für das Nottelefon und die Nachtschichten. Gerade in der Ferienzeit werden vermehrt Tiere ausgesetzt.

Dem Hamburger Tierschutzverein fehlt Personal in allen Arbeitsbereichen.

von Kristina Tesch

Hamburg. Dass es beim Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. (HTV) im Moment länger dauert, bis jemand den Hörer abnimmt, kann vorkommen. Es fehle Personal, besonders für das Nottelefon und die Nachtschichten, sagt die 1. Vorsitzende Janet Bernhardt. Zu den rund 110 Mitarbeitenden könne sie in allen Arbeitsbereichen weitere einstellen: „Wir können Tierpfleger, Tiermedizinische Fachangestellte, Tierärztinnen, Mitarbeitende im Handwerk oder für Gelände- und Gehegearbeiten einstellen.“

1.000 Tier ohne ein Zuhause

Rund 1.000 Tiere aller Art sind gerade im Tierheim in der Süderstraße untergebracht. Fundhunde und solche, die in Sicherungsverwahrung genommen wurden. Aber auch die Hunde, die während der Homeoffice-Zeit ins Leben der Menschen passten, für die jetzt aber keine Zeit mehr ist. Hennen und Hähne, die während der Coronapandemie für den Garten gekauft wurden und jetzt zu viel Arbeit machen oder plötzlich zu laut sind. Schweine, die als vermeintliche Miniausgabe zum Kuscheln und als Gefährten für die Kinder gekauft wurden und dann plötzlich groß geworden sind.

Rundumversorgung  der Jungtiere kaum möglich

Bei der Versorgung werde wegen des Personalmangels danach gegangen, was das Wichtigste für die Tiere sei, erklärt Bernhardt. Jungvögel benötigten etwa eine stündliche Fütterung per Hand, kranke oder verletzte Tiere müssten teils auch nachts Medikamente erhalten. Überhaupt bräuchten Jungtiere häufig eine Rundumversorgung, die nachts nicht immer gewährleistet werden könne, so Bernhardt. „Und ansonsten ist es so, dass wir die Tiere auch mit nach Hause nehmen und sie dort versorgen.“

Mehr ausgesetzte Tiere in der Ferienzeit

Erschwerend komme jetzt die Ferienzeit hinzu, die beim HTV jedes Jahr aufs Neue spürbar sei. Mehr als 100 mutmaßliche Aussetzungen seien bereits registriert, darunter Hunde, Kaninchen und exotische Vögel. Auch Katzen treffe es besonders häufig, sagt Bernhardt, „deswegen fordern wir eine Katzenschutzverordnung für Hamburg“. Die Tiere müssen dann kastriert und gechippt, also registriert sein, sodass sie zu ihren Besitzern zurückverfolgt werden können. „Das haben wir bei den Hunden gemerkt, seitdem da die Chippflicht ist, sind die Fundtiere und die ausgesetzten Tiere deutlich weniger geworden.“

Derzeit bittet der HTV in drei Fällen um Hinweise: Am 24. Juli habe vor dem HTV-Nebeneingang in der Süderstraße ein Karton mit drei weißen Zwergkaninchen gestanden; am 22. Juli sei beim Kriegerdenkmal in Rahlstedt eine Box mit vier Katzenwelpen sowie am 15. Juli in Hausbruch im Park ein Karton mit einer Langhaar-Mischlings-Katze und zwei Kitten entdeckt worden. Wer auffällige Personen oder Handlungen beobachtet hat, möge sich bei der HTV-Tierschutzberatung unter 040/211106-25 melden.

Nicht nur in der Urlaubssaison wünsche sich der HTV, dass sich Menschen vor der Anschaffung eines Haustiers genau überlegen, ob sie die Verantwortung für Hansi, Willi, Mietzi oder Bello wirklich für die Lebensdauer von bis zu 18 Jahren übernehmen wollen. Das beinhalte tierfreundliche Urlaubsreisen, das Spazierengehen bei Schietwetter und mögliche Tierarztkosten, so Bernhardt. Bei dieser Entscheidung und allen Fragen rund ums Haustier hilft der Hamburger Tierschutzverein mit seinen Mitarbeitenden gern.

Info

Die HTV-Tierschutzberatung ist montags und mittwochs von 10 bis 14 Uhr telefonisch unter 040/211106-25 oder per E-Mail an tierschutzberatung@hamburger-tierschutzverein.de zu erreichen.

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