Dom-Pastor Friedrich Brandi kümmert sich um die Schausteller

„Es wird verdammt schwer“

Auch der Frühjahrsdom wurden aufgrund der Corona-Pandemie ­abgesagt. Auf die Schausteller kämen schwere Zeiten zu, sagt Dom-Pastor Friedrich Brandi. In den kommenden Monaten wird er sie seelsorgerisch begleiten.

Die Schausteller auf dem Dom können wieder abbauen (Archivbild)

von Timo Teggatz und Kristina Tesch

Hamburg. Es sollte ein großes Fest werden: Ab Freitag, 27. März, war auf dem Heiligengeistfeld der Frühlingsdom geplant. Doch daraus wird nichts. Die Veranstaltung ist wegen der Ausbreitung des Corona-Virus abgesagt. Das hat der Hamburger Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) bekannt gegeben.

„Für die Schausteller ist das ein schwerer Schlag“, sagt Dom-Pastor Friedrich Brandi. Nach den Weihnachtsmärkten seien sie in die Winterpause gegangen, bei vielen habe auch ein Urlaub angestanden. Der Dom wäre nun die erste Einnahmequelle des Jahres gewesen. Und zwar keine kleine: Die Veranstaltung gilt als eines der größten Volksfeste des Nordens und sollte mehr als vier Wochen dauern. Selbst wenn nur eine Auflage des Doms in den vergangenen Jahren mal schlecht gelaufen sei, seien einige Betriebe in Probleme gekommen. Entsprechend heftig dürfte sich nun eine komplette Absage auswirken.

Friedrich Brandi ist schon seit fast zehn Jahren der Dom-Pastor. Er betreut die Schausteller während ihrer Zeit auf dem Hamburger Heiligengeistfeld. Mit vielen ist er inzwischen gut bekannt. Einige hat er getraut, bei manchen die Kinder getauft – oft in Zelten auf dem Dom. Gottesdienste finden meist nach Mitternacht statt, wenn der Dom geschlossen hat. Auch Konfirmationsunterricht für Schaustellerkinder gibt es normalerweise während des Doms. In diesem Jahr gab es allerdings ohnehin keine Konfirmanden.

Dom-Pastor Friedrich Brandi (Archivbild) Foto: Stephan Wallocha

Den etwa 260 Schaustellern des Doms prophezeit Brandi harte Zeiten. „Es wird verdammt schwer, besonders für kleinere Betriebe“, sagt der Theologe. Ihnen drohe die Pleite. Diesen Menschen wolle er nun als Seelsorger zur Seite stehen und Trost spenden. Doch er vermutet, dass das in den kommenden Wochen gar nicht so leicht werden dürfte. Eigentlich läuft der Pastor über den Dom und kommt so mit den Schaustellern ins Gespräch. Nun muss er sie erst einmal ausfindig machen, viele wohnen schließlich nicht in Hamburg. Es sei aber sehr wichtig, mit den Menschen, die gerade ans Existenzminimum gelangen, ins Gespräch zu kommen.

Auch die Taufe eines kleinen Kindes, die für die kommenden Tage vorgesehen war, fällt aus. Die Familie will die Feier nun im Sommer oder Herbst nachholen. Brandi berichtet von „hellem Entsetzen“ der Familie.

Findige Leute

Doch die Schausteller seien findige Leute, so Brandi. Sie seien sich nicht zu schade, auch in anderen Jobs zu arbeiten, und hätten schon einige Krisen überstanden. Viele hätten sich nach anderen Möglichkeiten umgesehen, kurzfristig Geld zu verdienen. Doch in Zeiten von Corona ist das schwierig. „Verkäuferin gesucht“ – dieses Schild habe eine Schaustellerin in einer Bäckerei gesehen. Doch als sie sich am nächsten Tag bewerben wollte, war es verschwunden.

Gefragt sind jetzt Finanzhilfen, fordert der Dom-Pastor. Er denkt etwa an Stundungen von Beiträgen für Krankenkassen oder an Forderungen von Finanzämtern, die jetzt zurückgehalten werden sollten. Auch Finanzhilfen vom Senat seien eine gute Idee. Doch mit ihrer finanziellen Schieflage sind die Schausteller nicht allein. „Sie sind sich bewusst, dass sie in Sachen Dringlichkeit ganz hinten stehen“, sagt Friedrich Brandi.

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