Einsichten – die christliche Kolumne

Es ist einer da, der stark ist

Über Ergebung und Opfer schreibt Pastor Tilman Baier. Er ist Chefredakteur der Kirchenzeitung in Schwerin.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht.“ aus dem Philipperbrief 2, 5-11
Widerstand und Ergebung – so heißt das wohl bekannteste Buch mit Texten von Dietrich Bonhoeffer. Es ist eine Sammlung von Briefen, die der Theologe aus seiner politischen Haft in Berlin geschrieben hat. Gerade wurde seiner anlässlich seines 110. Geburtstages am 4. Februar wieder vermehrt gedacht. Widerstand gegen das NS-Regime und Ergebung in Gottes Willen, beides hatte er als seine Lebensaufgaben angenommen. Es war ein Weg, der ihn später an den Galgen brachte – einen Monat vor Kriegsende wurde er noch Opfer einer verbrecherischen Ideologie. Auch ein Opfer seines Weges mit Gott?
Nein, Bonhoeffer war kein willensschwaches, armes Opfer. Was er tat, tat er bewusst und mit innerer Stärke – er kannte die möglichen schrecklichen Konsequenzen. Er hing am Leben, an seiner Freiheit, an seinen Eltern, seinen Geschwistern, seinen Freunden, seiner Braut. Noch seine Briefe aus dem Gefängnis lassen seine Sehnsucht lebendig werden. Trotzdem hatte er sich für den Widerstand und die Befreiung der Welt von Hitler entschieden. Er und seine Freunde aus großbürgerlichen und adligen Familien taten, was sie taten, aus dem Bewusstsein, gerade als Privilegierte Verantwortung zu haben für die Gesamtgesellschaft.
Es ist dieser Buchtitel „Widerstand und Ergebung“, der mir einfiel, als ich den Predigttext für diesen Palmsonntag aus dem Philipperbrief las. Der Apostel Paulus zeichnet hier, knapp und lyrisch zugleich, den Weg eines Starken, ja eines Gottgleichen nach, der sich nicht scheut, für seine Mission bis in die tiefsten Tiefen menschlicher Existenz hinabzusteigen zu seiner Passion am Kreuz.
Christus – ein willenloses Opfer seines blutrünstigen Vaters? Wohl kaum. Es war, so schreibt Paulus, die eigene, freie Einwilligung eines Privilegierten in seine Lebensaufgabe – der Befreiung der Menschheit. Dafür erniedrigte er sich selbst, trotz aller Liebe zum Leben und des Wissens um das grausamen Ende seines Weges. Wie gut zu wissen, dass da einer stark genug ist, auch in die Abgründe meines Lebens und Sterbens vorzustoßen.
Unser Autor
Pastor Tilman Baier
ist Chefredakteur der Kirchenzeitung in Schwerin
Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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